Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1683202
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Fünftes Buch. 
schlossen, aber auf der Kreuzung erhebt sich mit hochragendem Helme ein 
gewaltiger viereckiger Kuppelthurm, denwier schlanke Polygonthürmchen, 
an seine Ecken gelehnt, begleiten. Das Streben nach Erleichterung und 
Ersparung der Mauermassen bringt hier wie an den übrigen Kirchen dieser 
Gruppe die häufig angewandten "Wandnischen , die oberen Chorumgänge, 
die äusseren Säulengalerien unter dem' Dachgesims, die Emporen über den 
Seitenschilfen sammt den Triforien hervor. Die Ausführung dieses statt- 
lichen Baues reicht zum Theil in die späte Uebergangszeit hinein. 
Lügfiltflim In wesentlich verschiedener, selbständiger Auffassung tritt zu gleicher 
 Zeit der Gewölbebau in den mittelrheinisehen Gegenden auf. Hier wird 
zwar ebenfalls in bedeutsamer Weise die Vierung durch Kuppelanlage her- 
vorgehoben, aber die Ausbildung des gewölbten Langhausesihält damit 
gleichen Schritt und gelangt zu hoher organischer Durchführung. Diese 
Umgestaltung geht auch hier durchweg von der Pfeilerbasilika aus, aber 
über die Zeit dieser folgenschweren Neuerung herrschen noch immer ver- 
schiedene Meinungen, die sich zwischen dem Beginn oder der Mitte des 
Dommßiainz- 12. Jahrh. theilenl). Der Dom zu Mainz, mit doppelten Chören und 
westlichem Querschiff, zwei Kuppeln 'und je zwei Thürmen zu den 
Seiten der Chöre (siehe den Grundriss Fig. 225 auf vorstehender Seite), 
erlitt mehrere Brände, bis er, wahrscheinlich nach dem Brande des J  1081, 
bis gegen 1136 neu aufgeführt und vermuthlich mit Gewölben versehen 
wurde. Die gegenivärtigen spitzbogigen Gewölbe gehören gleich dem west- 
lichen Querhause dem 13. Jahrh. an. Die Dimensionen sind höchst be- 
deutend. Die schlanken, eng gestellten Arkadenpfeiler haben an ihren 
Rübkseiten Halbsäulen für die Gewölbe der Seitenschiffe; an der Vorder- 
seite dagegen hat nur einer um den andern die für die Gewölbe des Mittel- 
schiffes bestimmte Vorlage. Zugleich steigen von den Kämpfern sämmt- 
licher Pfeiler Pilaster auf, welche, mit Durehbrechung des Arkadensimses, 
an der Oberwand Flachnischen bilden, über welchen die beiden Fenster 
liegen. So ist das Verticalprincip in eben so consequenter als energischer 
Weise durchgeführt, und die Wandfläche in diesem Sinne auf" s lebendigste 
gegliedert. 
Dom zu Einen weiteren Fortschritt auf dieser Bahn bezeichnet der Dom zu 
speye" Speyerg). Dieser, im J. 1030 als rlaehgedeckte Pfeilerbasilika von kolos- 
salsten Verhältnissen (das Mittelschiff hat eine Breite von 44 Fuss, der 
ganze Bau eine Gesammtlänge von 418 Fuss) durch KaiserKonrad II., den 
wir schon als Erbauer der Klosterkirche zu Limburg kennen lernten, be- 
gOIIIIGII, wurde nach dem Vorgange des Mainzer Domes, vermuthlich nach 
dem Brande von 1137 oder von l 159, eingewölbt. Hier legt sich vor jeden 
Pfeiler auch an der Vorderseite (man vgl. den Grundriss auf S. 277) eine 
Halbsäule, Welche sammt dem aufsteigenden Pilaster den Blendbögen zur 
Stütze dient. Diese selbst (vgl. Fig. 188 auf S. 279) streben höher empor 
und sind als Einfassung um die Fenster gezogen, so dass diese in den 
innigsten organischen Verband mit den klar entwickelten Mauerflächen 
1) Vgl. die scharfsinnigc Untersuchunv von 1,1 t      ,v 
Dome I" mimv SPeY" u"? Worms- 8. 3151m 18a. (izänzgizililunitzr) (läa-iläännäitäeällizxrglhfcheu 
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2) Aufnahmen bei G810?" und Gärz a. a. 0.
        

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