Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1683172
Zweites Kapitel. 
Romanischer Styl. 
309 
Dieser tritt denn auch wirklich an den rheinischen Bauten, vermuthlich 
unter Begünstigung des leichten T ulTstein-Materials , bereits gegen Aus- 
gang des ll. Jahrh. , wie es scheint früher als sonstwo in Deutschland, 
und höchst wahrscheinlich ganz selbständig auf. Indem man nun auf der 
Vierung des Kreuzes eine Kuppel emporführte, sie mit einer Gruppe von 
Thürmen umgab oder sie selbst nach aussen als mächtigen Thurm aus- 
bildete, ja sogar die Kreuzarme bisweilen halbkreisförmig oder polygon 
schloss, gewann man zwar eine ungemein stattliche, höchst malerische 
Anlage und manche originelle Combination: aber man entzog dem Lang- 
hausbaue seine ruhige Wirkung und schmälerte seine architektonische Be- 
deutung. Das centralisirende Element erwies sich zu mächtig und schwächte 
oder trübte die einfache Tendenz der gewölbten Basilika, wie wir sie in den 
sächsischen Bauten fanden. Die Richtung auf das Malerische blieb denn 
nun auch dabei nicht stehen, sondern unterwarf sich die ganze äussere 
Durchführung. Ein besondererEifer regte sich dadurch für die Ausschmük- 
kung des Aeusseren, an welchem die reichen, zierlichen Säulengalerien 
des Chors und Querschifies, ja bisweilen auch des Langhauses, als vor- 
züglich charakteristisches Merkmal hervortreten. Diese Richtung steigerte 
sich noch an den Uebergangsbauten , so dass diese, unter Anwendung man- 
nichfacher phantastischer Formen und einer brillanten Ornamentik, bis- 
weilen eine überaus glänzende Erscheinung gewinnen. Das Ornament selbst 
aber hat nur in seltenen Fällen ene geschmackvolle Ausbildung, jene Grazie 
und Ideenfülle der späteren sächsischen Bauten. Als eigenthümlichen Zu- 
satz erhalten, die späteren Kirchen dieser Gruppe oft eine Empore über 
den Seitenschiffen; die sich mit Bogenstellungen gegen den Mittelraum 
öffnet.  
Flachgedeckte Kirchen findet man hier verhältnissmässig selten. Ge- Fläiläägggzkie 
wöhnlich wurden solche Anlagen schon in romanischer Zeit mit Gewölben  
nachträglich versehen. Meistens haben sie entweder reine Pfeileranlage 
oder Säulenstcllungen; die Mischformen kommen nur vereinzelt vor. Eine n. zu Lim_ 
der grossartigsten Säulenbasiliken war die jetzt in Trümmern liegende h"? 
Klosterkirche zu Limburg in der Pfalz. Von Kaiser Konrad II. im J. 1030 
gegründet, wurde sie im J. 1042 eingeweiht. Noch jetzt bemerkt man an 
den äusserst schlicht behandelten Säulen mit ihren steilen attischen Basen 
und strengen Würfelkapitälen , an den hohen Mauern des Querschiifes mit 
seinen Apsiden und dem geradlinig geschlossenen Chor die kolossalen Ver- 
hältnisse des Baues. Die lichte Breite des Mittelschilfes misst 38 Fuss, 
die Höhe desselben 74 Fuss, Dimensionen, die das gewöhnliche Maass 
der deutschen Kirchen dieses Styles weit hinter sich lassen. Auch von der 
Krypta sind noch Spuren vorhanden. Am westlichen Ende erhob sich ein 
eigenthümlicher Emporenbau neben zwei runden Treppenthürmen. Sodann 
ist die Kirche zu H ö chst bei Frankfurt als Säulenbau mit streng korin- K. zu Höchst. 
thisirenden, .ohne Zweifel Sehr allelflhülnlichen Kapitälen zu bezeichnen. 
ln Köln zeigt sich S. Georg, um 1067 vollendet , als eine ursprünglich s. Georg in 
Hachgedeckte Basilika mit derb behandelten YVürfelkapitälen, der sich west- Köln- 
lich ein quadratischer. mit reicher Nischenarchitektur und entwickeltem 
Spätlfomanischen Gewölbe versehener Anbau  vermuthlich eine 'l'aufkapelle, 
anschliesst. Selbst in der letzten romanischen Epoche findet sich noch ein 
Säulenbau mit spitzbogig gebildeten Arkaden, die Kirche zu Merzig an 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.