Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680182
Erstes Buch. 
Natur als ein Besonderes, Geistiges sich gegenübergestellt fühlt, beginnt 
sein Ringen nach Befreiung von dieser Fessel, sein Streben nach Beherr- 
schung der Natur. Aber indem er mit ihr kämpft, bleibt er von ihr abhängig, 
unter dem Einfluss ihrer Gestaltungen. Daher drückt sie Allem, was er 
schafft, in über-mächtiger YVeise ihr Gepräge auf. Je freier der Mensch im 
Laufe fortschreitender Bildung sich losringt, desto weniger unterliegt er 
dem Einfluss der Natur; und wenn derselbe auch niemals ganz verschwindet, 
so äiussert er sich zuletzt doch so gelinde, dass das Werk geistiger Thütig- 
keit nur wie mit eigenthümlichem Dufte davon angehaucht scheint.  
Neun" des Ein tiefgchcimnissvolles, durch Wundersagen genäihrtes Interesse rich- 
Llmdul tete schon seit den Zeiten Alexanders die Sehnsucht der westlichen Völker 
nach dem fernen indischen Osten hin. Die moderne Wissenschaft hat dieses 
Interesse nicht mindern können. idenn was sie erforscht und ergründet hat, 
weicht an überwältigendem Zauber in keiner Weise den Dichtungen jener 
Mährchen. Wir finden dort ein Land, das die üppigste Natur mit ihren 
verschwenderischen Gaben überschüttet. Von den beiden heiligen Riesen- 
strömen Brahmaputra und Indus begrenzt, zu welchen als dritter, mittlerer 
der Ganges tritt, (lacht sich das Land terrassenartig vom höchsten Gebirgs- 
stock der Erde, dem Himalaya, bis zu den flachen Stromufern und Meeres- 
küsten ab. Auf diesem Terrain finden sich die Klimaten aller Zonen , von 
 der heissesten der Tropen bis zur Region ewigen Schnees und Eises, neben 
einander; vornehmlich in der Halbinsel des Dekan sind sie dicht zusammen- 
gedrängt. Wirkt hier die Natur schon durch den unvermittelt raschen 
Wechsel ihrer Erscheinungen übermächtig auf den Geist des Menschen ein, 
so scheint sie mit der überschwangliehen Fülle ihrer Pflanzen- und Thierwclt 
ihn vollends umstricken zu wollen. Die Producte der verschiedensten Zonen 
begegnen sich auf demselben Boden des fruchtbarstexi Stromlandes, welches, 
unterstützt von der brütenden Hitze der tropischen Sonne, ihnenueine so 
erstaunliche Ueppigkeit des Wachsthumes und der Verbreitung verleiht, 
dass von allen Culturplianzen zweimalige J ahresernten erzielt werden. Belebt 
ist diese Welt von einer Unzahl Gethiers, in welchem gleichfalls die Natur 
ihre Richtung auf das Gewaltige kundgegeben hat, indem sie den Elephanten 
und das Rhinoceros, die Riesen ihrer Gattung, schuf und in den Schaaren 
kleinerer Geschöpfe den Mangel der Grösse durch die Massenhaftigkeit 
ersetzliß- Kein Wunder, dass der Mensch, in diese überströmend reiche 
Umgebung versetzt, dem Eindrücke derselben sich nicht zu entziehen ver- 
mochte; dass er, in einem Reiche des jähesten Wechsels , der schärfsten 
Gegensätze, der üppigsten Triebkraft lebend , auch seinerseits einen Hang 
nach dem Wundersamen, Uebermässigen erhielt, der die Thätigkeit der 
Phantasie vorzugsweise beförderte und dieselbe wie in einem wogenden 
Chaos unbestimmt schwankender Formen auf und nieder trieb. 
Das Volk. Dies ist der verwaltende Grundzug im Charakter des indischen Volkes, 
der demselben unter den Völkern des Alterthumes eine ganz besondere 
Stellung anweist. Wir finden die Inder schon früh einer speculativen Rich- 
tung des Denkens , einem Grübeln über die Geheimnisse des Daseins und 
der Schöpfung hingegeben, das in der ältesten Religionsform des Brahrnais- 
Brahinaismusmlls seinen Ausdruck gefunden hat. Während das Leben dadurch ein 
überwiegend theokratisches Gepräge erhielt und durch die Satzungen der 
Priester eine Kasten-Eintheilung begründet wurde, welche als drückende 
Natur des 
Lundus.
        

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