Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1683046
296 
Fünftes Buch. 
Hallen- 
kirchen  
Geschosses; letzteres (Fig. 213) mit seinen kurzen gedrungenen Säulen und 
einfachen Rundbogengewölben unterscheidet sich als das Tragende , Bela- 
stete charakteristisch von dem ersteren (Ficr. 212), dessen schlanke Säulen 
und spitzbogige Rippengewölbe luftig und keck aufsteigen. Auch bei Kir- 
chen der Nonnenklöster fand eine solche Theilurig zuweilen Statt, wie 
Schwarz-Rheindorf bei Bonn beweist. 
Nicht so sehr im Grundplane , aber dafür desto entschiedener im Auf- 
bau weicht eine andere Art der Kirchenanlage von der herrschenden Basi- 
likenform ab. Sie bildetihr Langhaus wie jene dreischiffig aus, verwirft 
aber die verschiedene Höhe der einzelnen Theile. Von den Pfeilern oder 
Säulen steigen nach der Längenrichtung Gurtbögen auf, welche die Schiffe 
von einander scheiden (Scheidebögenl. Indem nun die Gewölbe der Schiffe 
von gleicher Höhe sind, verschwindet die Obermauer des mittleren mit ihrer 
bbesondern Beleuchtung; die Umfassungsmauern werden höher emporgeführt, 
ihre Fenster, welche das ganze Innere erhellen sollen, länger gebildet, und 
äomiltt EÜINRHQITII von einltgacheäyt klär Ieüstäärdlicher DispositiÄnlhervoi-ge- 
rac  ac aussen sc win e e en a s ie zweistöc xige nage; ü er 
die ganze Breite des Gebäudes legt sich ein einziges Dach, welches jedoch 
bisweilen, um die ungünstige Form der hohen Seitenflächen zu vermeiden, 
mit besonderen Giebeln für die einzelnen Gewölbabtheilungen versehen wird. 
Vorbilder für diese Anlage hatte man bereits an den Krypten. Man über- 
trug sie überall bald auf kleinere Kapellen und Versammlungsräume anderer 
Art. Nur in gewissen Gegenden, namentlich in Westfalen, gewann 
diese einfache, mehr verständige als phantasievolle Bauweise eine so allge- 
meine Verbreitung bei der Anlage der Kirchen, dass sie die Basilikenform 
beinahe verdränvte. Dort lässt sich denn auch ein Eiitwicklungsgang der- 
selben nachweisiian. Zunächst findet man daselbst Kirchen mit gleich hohen 
 21 Schiffen, welche gleichwohl 
hg" 4'  den Wechsel kräftigerer und 
   schwächerer Stützen, wie 
 A  A  ihn die gewölbte Basilika 
       erforderte und herausgebil- 
i   w?     det hatte, beibehalten. Ein 
      L   Beispiel solcher Anordnung 
  1„  1,3, i'll   ist die kleine Kirche S. S.e r- 
 ii.     W   vatius zu Münster, von 
   "i,  der wir einen Längendurch- 
 i;  i.  schnitt des Schiffes zur Ver- 
yT7ß7FZÄWÄVt-At      anschaulichung desGesagten 
i W "   beifügen (Fig. 214). Nur 
s. Servatius zu Münster. durch Anwendung des Spitz- 
bogens liessen sich die aus 
dieser Anlage. erwachsenden Schwierigkeiten der Ueberwölbung so verschie- 
denartlgef Iiaume lösen, und in der That ist es die Uebergangszeit, welche 
in ihrem rastloScn Streben nach Umgestaltung diese neue Form zu ent- 
wickeln sucht. Die Zwischenstütze wird deshalb bald beseitigt, die Ueber_ 
Wölbung der schmaleren SeitenschiHe in verschiedenster Weise, besonders 
auch durch Anwendung von halben Kreuzge w ölben, ausgeführt, bis 
endlich ein veränderter Grundplan aus diesen Schwankungen hervorgeht.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.