Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680174
ERSTICS 
KAPITEL. 
Allgemeines. 
xVenn wir als erstes Glied in der Kette architektonischer Entwicklung Afiüsvllißllß- 
die XVerke der alten Inder in's Auge fassen, so geschieht dies nicht etwa hclwstelluug" 
in dcin Sinne einer Ilerleituirg später zu betrachtender Erscheinungen. aus 
dieser fernen Quelle. Nicht in so itusserlicher Auffassung dürfen wir ein 
inneres Fortschreiten annehmen. Wir ßnden vielmehr, ehe die Schönheit 
ihren siegreichen Einzug hält und in vollem Glanze aus dem Gliederbaue 
der griechischen Architektur hervorleuchtet, einen langen Zeitraum der 
Vorbereitung, in welchem von verschiedenen Völkern die Aufgabe einer 
idealendGestaltung des unorganischen Stoffes von verschiedenen Seiten her 
den Versuch einer Lösung erfahren hat. Man kann es eine Theilung der 
Arbeit nennen, kraft welcher jedes Volk, gemäss der in ihm vorwiegenden 
Seite geistiger Anlage , eine Architektur geschaffen hat, in der die Beson- 
derheit des jedesmaligen Volksgeistes sich mit aller Schärfe der Einseitigkeit  
ausspricht. Erst dem Volke der Griechen, in welchem die widerstrebenden 
ltichtuirgen menschlicher Natur zu edler Harmonie verbunden waren, gelang 
es, in den Werken seiner Architektur jene Widersprüche zu schöner Einheit 
zu verschmelzen. Es wird uns sonach erst mit den Griechen die Möglichkeit 
einer chronologischen Anordnung des Stoffes geboten , da erst durch 
sie die Architektur das Gepräge streng nationaler Gebundenheit verliert und 
fortan die gemeinsame Aufgabe der verschiedenen, nur durch das Band 
verwandten"Culturstrebens verbundenen Völker wird. Daher betrachten wir 
die alten Völker des Orients nach ihrer geographischen Gruppirung 
und beginnen mit den Indern als den entlegensten , am schärfsten für sich 
abgeschlossenen. Denn obgleich die vorhandenen Denkmäler Indiens unter  
den altoricirtalischcn Bauwerken die jüngsten sind, so bezeichnen sie doch 
im Allgemeinen ihrer Anlage und Durchführung einen höchst primitiven 
Zustand des architektonischen Schaffens, eine dem inneren Wesen , nicht 
der äusseren chronologisßhßll Stellung nach, vorbereitende Stufe. 
Auf jenen Vorstufen werden wir den Geist noch im Banne der Natur  
antreffen, In der Kindheit dcrVölker, wo der Mensch zuerst der umgebenden m" " 
        

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