Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682792
Zweites Kapitel. 
Romanischer Styl. 
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von Querhaus und Chor hinzutreten. Im Hintergrund ragt über der vorde- 
ren Gruppe ein kräftig aufstrebender viereckiger Westthurm empor, welchen 
in gemessenem Abstande zu beiden Seiten der Nebenschilfe zwei runde 
Thürme begleiten. Auch hierin gibt sich also ein System der Gruppirung 
zu erkennen, welches bei der perspectivischen Verschiebung von maleri- 
schem Reiz ist und durch rhythmische Bewegung sich auszeichnet. Denn 
wie der Kreuzthurm durch grössere Masse vor seinen schmalen Begleitern 
hervortritt, so erhebt sich der westliche Hauptthurm durch Massenhaftigkeit 
überdie seinigen und durch bedeutende Höhenentfaltung über jenen. Auch 
an den Thürmen finden wir die Gliederung durch Lisenen, Bogenfriese, 
Gesimse und Blendbögen bewirkt, nur mit dem Unterschiede, dass hier 
mehrere Stockwerke durch Gesims und Bogenfries bezeichnet werden. 
Zugleich erhalten die oberen Theile durch Schallöffnungen, welche 
durch Säulchen getheilt und mit Rundbögen gewölbt sind, eine lebendige 
Schattenwirkung und eine Erleichterung der zwischen den kräftig behan- 
delten Ecken liegenden Mauermasse. Um die dicke Mauer mit den dünnen  
Säulchen zu vermitteln , wird auf das Kapital ein sogenannter Kämpfer 
gesetzt, d. h. ein von schmaler Grundfläche des Kapitals sich stark ver- 
breiterndes Glied, das vielleicht dem byzantinischen Kapitälaufsatz seine 
Entstehung verdankt. Am Kreuzthurm bemerkt man über den Schall- 
löchern kleinere Oeffnungen in Gestalt eines sogenannten Vierblattes, 
welche der romanische Styl auch an Fenstern bisweilen anwendet. Die Be- 
dachung der Thürme (der Helm) besteht aus einem ihrer Grundform ent- 
sprechenden, also vierseitigen oder polygonen Z eltdach e. Nur der grosse 
westliche Thurm hat ein in romanischer Zeit häufig vorkommendes Dach 
besonderer Art, dessen Flächen verschobene Vierecke sind, welche, von  
Giebeldreiecken aufsteigend, in gemeinsamer Spitze gipfeln. 
 Die Seitenansichten der romanischen Kirche treten unselbständig , in Seitenansicht. 
geringerer Bedeutung hervor und erscheinen beinahe nur als Verbindung  
zwischen Facade und Chorpartie. Doch gibt die Anlage des hohen, von 
einem ziemlich steilen Satteldach bedeckten Mittelschiiffes, an welches sich i 
die niedrigen Seitenschiffe mit ihren Pultdachern in bescheidener Abhän- 
gigkeit lehnen, einen klaren Einblick lI1 die Disposition des Inneren. Die 
Mauerfiächen sind hier gewöhnlich ebenfalls durch Lisenen, die den inneren 
Arkadenstützen entsprechen, gegliedert. Manchmal kommen noch Blend- 
bogen hinzu, welche dann die Remin1SC6I1Z_ 3-11 das Innere mit seinen Arka- 
den noch schärfer betonen. Rundbogenfriese begleiten auch hier, unter  
kräftigem Hauptgesims, die Dachlimeg und die nicht grossen Fenster 
durchbrechen mit lebendiger Schattenwirkung die ruhigen Flächen. Die 
Giebel des Querhauses werden oft reicher ausgebildet, jedoch immer unter 
Anwendung der uns bereits bekannten Formen, und erhalten manchmal 
besondere Eingänge mit Portalen. Der Bogenfries steigt hier gewöhnlich 
auch mit dem Giebelgesims aufwärts, indem seine einzelnen Schenkel ent- 
weder mit der schrägen Dachlinie einen rechten Winkel bilden, oder ihre 
senkrechte Stellung behalten. In letzterem Falle verbinden sie sich manch- 
mal mit Wandsäulchen, auf denen Sie zu mhen scheinen, ja diese Decora- 
tionsweise wird oft in spielender Wiederholung über das ganze Giebelfeld 
ausgedehnt. Irgend ein Portal, gewöhnlich das in der westlichen Hälfte 
eines Seitenschiffs liegende, wird als Haupteingang besonders hervorgehoben
        

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