Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682785
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Fünftes Buch. 
nische) die Mauerfiächen. An den Ilaupttheilen," wie am Querschiff, werden 
 diese Lisenen von einem Gesims unterbrochen, welches den zweistöcki- 
gen Bau andeutet. Unter dem Dache aber quillt aus den Lisenen eine 
lebendige Bogenbewegung hervor, die sich in Gestalt des sogenannten 
Bogenfries. Rundbogenfrieses entwickelt. Dieser besteht aus an einander gereih- 
ten kleinen Halbkreisbögen, die, mit ihren Schenkeln meistens auf kleinen 
Consolen aufsetzend, das Dachgesims begleiten. Von der verschiedenen 
einfacheren oder reicheren Zusammensetzung, derberen oder feineren, 
schlichteren oder maiinichialtigeren Profilirung dieses für die Aussenarchi- 
tektur romanischer Kirchen so vorzüglich bedeutsamen Gliedes theilen wir 
unter Fig. 175-177 entsprechende Beispiele mit. Man kann in den be- 
 wegten Formen dieses Frieses einen Anklang an die Arkadenbögen des 
Inneren erkennen, die ebenfalls die aufsteigenden Glieder "verbinden. Wie 
aber dort die Hache Decke sich über das Ganze als ruhiger horizontaler 
Abschluss breitete , so legt sich hier dicht über den Bogenfries das Dach- 
gesims mit seiner kräftigen Gliederung und reichen decorativen Behandlung. 
Eine brillantere Ausstattung wendet man gern der grossen Chornische zu, 
um dieselbe auch äusserlich als besonders ausgezeichneten Raum erkennen 
zu lassen. Das Untergeschoss ist zwar auch an unserem Beispiel (vgl. 
Fig. 174) in angemessener Schmucklosigkeit gehalten. Nur Lisenen theilen 
die Fläche, in welcher die kleinen Fenster der Krypta eine Unterbrechung 
der ernsten Mauermasse geben. Das obere Geschoss, das dem hohen Chor- 
bau entspricht, ist dagegen durch zwei Reihen über einander geordneter 
Wandsäulchen mit zierlichen Kapitälen reich belebt. Von der oberen Reihe 
schwingen sich in kräftigem Profil Blendbögen empor, die nicht allein die 
  Fläche gliedern, sondern auch den Fen- 
luv. 115.  
   a   stern als Umrahmung dienen. Unter- 
  I i   geordnet behandelt und von schwächerer 
  Profilirung erscheinen die Bögen der 
_ unteren Reihe, welche neben den Säu- 
-  "i; I.  len aufsteigen. Die Dachlinie wird hier 
   ' ü? durch ein Consolengesims ohne Bogen- 
      .4    . 
j.     fries bezeichnet, eine Form, welche auf 
 j {.111 J einer Nachwirkun antiker Einflüsse zu 
 "i   "   beruhen scheint. gWie man endlich an 
i i ä JI"?  i Ei  1' i! J. h orra enden Stellen selb t d' F t 
 w]. L  Ilkiä M  s  S. w er er 
 j,    v.  Q;  durch Einfassung mit kleinen Saulen 
     [i i."  auszeichnet und ihrer Laibnng dadurch 
Q3"  {lt    älj  j e  eine den Portalwänden nachgeahmte 
        L reichere WVirkung gibt, zeigen hier die 
        Fenster des Querschiffes. Ein anderes 
fjilnli:  '11   Beispiel wirksamer Fensterumrahinung 
Uiiiifll geben wir in einem Fenster der Kirche 
  Notre Dame in Chälons unter Fig. 178. 
 esßvi "w  G .   Besonders wichtig ist aber die ge- 
 Fenster von Notre Dame in Chälons. wählte Abbildung der Kirche zu Laaeh 
als Beispiel einer grossartig entwickelten 
Tliurmanlage. Auf der Kreuzung erhebt sich ein mächtiger achteckiger 
Kuppelthurm , zu welchem zwei schlanke viereckige Thürme in den Ecken 
Bogenfries.
        

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