Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682753
Zweites Kapitel. 
Romanischer Styl. 
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verfuhr man ähnlich mit der Ausbildung der Portale. Durch mehrere hinter 
einander folgende rechtwinklige Ausschnitte, in welche man dünne Säulen 
und auch wohl, im Wechsel mit ihnen, Statuen stellte (vgl. Fig. 173), ge- 
wann man für die Laibung des Portals eine schräge, durch runde und eckige 
Glieder und durch kräftige Schattenwirkung lebendig bewegte Linie, die 
sich nach aussen erweiterte, so dass nach Schnaasds Ausdruck das Innere  
sich hier dem Herantretenden gleichsam einladend und ihn hineinziehend 
öffnete. Diese Gliederungen führte man nun auch in consequenter Weise an 
dem Rundbogen, mit welchem das Portal geschlossen wurde, durch, so dass 
auch hier ein WVechsel von Rundstäben und Mauerecken eine lebendige  
Wirkung gab. Da aber die eigentliche Oeffnung des Eingangs in der Regel 
durch einen horizontalen Thürsturz gebildet wurde, so entstand über diesem 
ein vom Rundbogen umrahmtes Feld ( das Tympanon) , welches man durch 
bedeutsame Reliefdarstellungen , meistens die Gestalt des thronenden Er- 
lösers mit dem Buche des Lebens, begleitet von den Schutzheiligen der 
Kirche, zu schmücken pfiegte. So war hier im kleinen Rund des Einganges 
bereits vorbildlich ausgesprochen, was im Zielpunkt der Kirche, in der 
grossen Altarnische , sich als Grundgedanke des Ganzen darstellen sollte, 
und den Zutritt zum heiligen Raume schirmte die Gestalt dessen , der sich 
als den einzigen NVeg zum ewigen Leben selbst bezeichnet hatte.  
Neben jener einfachsten und gewöhnlichsten von uns geschilderten  
Thurmanlage findet man an romanischen Kirchen auch noch andere Anord- müssen- 
nungen der Thürme, und zwar gruppiren sich dieselben entweder am west- 
lichen Ende der Kirche, oder um das Kreuzschiif und den Chorbau. Sehr 
häufig combiniren sich beide Systeme; doch auch hierin beobachtet man 
manche Verschiedenheiten. Es wurde nämlich in gewissen Gegenden früh , 
schon auf der Vierung eine Kuppel errichtet, die sich nach aussendurch  
einen aus der Kreuzung von Langhaus und Querschiff aufsteigenden Thurm 
bemerklich machte. Ohne Zweifel hatten auf diese Anordnungdie Vorbilder 
byzantinischer Bauweise . wie S. Vitale und das Aachener Münster, ent- 
schiedenen Einfluss, so dass man dieselbe als einen Versuch zur Verbin- 
dung von Centralanlage und Basilikenbau betrachten kann. Aber die künst- 
lerische Gestaltung und Ausbildung war doch eine wesentlich verschie- 
dene. Man führte den auf der Kuppel sich erhebenden Bautheil ziemlich 
hoch empor und gab ihm ein steil ansteigendes Dach, so dass er, mochte 
man ihn nun achteckig bilden wie in Deutschland. oder viereckig wie an 
den normannischen Bauten, mehr den Eindruck eines Thurmes als einer 
Kuppel gab. Um indess auf die dadurch bedeutsam hervorgehobene Kreu- 
zung nicht ein unangemessenes Gewicht zu legen, Zeigen die schöneren 
Bauten des Styls eine Verbindung des Kreuzthurmes mit den beiden XVeet- - 
thürmen, wobei jenem durch diese ein entsprechendes Gegengewicht be- 
reitet wird.  
Es muss der Einzelbetrachtung überlassen bleiben, auf die unzählig Ausläilduns 
verschiedenen Thurm-Combinatiünen hinzuweisen, in welchen der roma- Aeussdrexi. 
nische Styl seine schon angedeutete Mannichfaltigkeit, seinen Reichthum 
an individuellen Besonderheiten aussprichtßc. Um jedoch ein Beispiel höch- 
ster Ausbildung und thurnlreichßter Pracht zu bieten, an welchem obendrein 
die sogleich zu erörternde Durchbildung des gesammten Aussenbaues klar 
zu erkennen ist, geben wir unter Fig. 174 den östlichen Aufriss der unfcrn
        

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