Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680147
Einleitung. 
 unkünstlerisch, gewisse Formen, besonders aussclimüekencler Art, dem 
Tempelbaue , um durch sie auch dem XVcrke alltäglichen Bedürfnisses die 
höhere Weihe der Kunst aufzudrücken. Doch ist jene Entlohnung nur ein 
schwacher Nachhull, in welchem der Grundaccord, nicht ohne mancherlei 
'l'rübung, leise verklingt. In weiter Vorgesehrittenen ltpoehen der Entwick- 
lung erwächst aber der Baukunst die praktische Aufgabe, allen Bedürfnissen 
des Lebens, sowohl einem ausgebildeten staatlichen Dasein, als auch den 
mannichfarchen Beziehungen des Privatlebens in künstlerischer YVeise gerecht 
zu werden. Erst in dieser allgemeinen Ausdehnung ihrer Herrschaft wird 
sie zum vollkommenen Spiegelbilde des gesammten Charakters einer Zeit. 
Die lillvluuule An jedem YVerke der Baukunst lassen sich die beiden Elmncntc des 
Aütlflllifilütllr. Praktisch-Nothwendigen und des Idealen, deren Vereinigung erst das Kunst- 
werk ausmacht, nachweisen. Doch ist dies nur so zu verstehen, dass Bei- 
des nicht getrennt für sich, sondern auf's Innigstc verschmolzen auftritt. 
Der reale Zweck ist es zunächst, der die Anordnung des Grund p lanes 
bedingt. Aber die harmonische Ausbildung desselben fällt schon der eigent- 
lich künstlerischen Thatigkeit anheim, um so mehr, da sie nicht ohne Rück- 
sicht auf die Art der Bede ekung der Rau me durchgeführt werden 
kann. Auch die Raumbedeckung ist für's Erste ein Ergebniss praktischer 
 Anforderungen, die nach den Bedürfnissen der Gottesverehrung, der Sitte 
des Volkes, der klimatischen Beschaffenheit des Landes und der Art des 
zu verwendenden Materiales sich vielfach anders gestalten. Die Erfindung 
derjenigen Construction dagegen, die am vollkommensten dem Zweck ent- 
spricht, ist bereits eine That des baukünstlerischen Genius. Allein erst 
dadurch verleiht dieser seiner Schöpfung die vollendende Weihe, dass er in 
 einer schönen, klar verständlichen Formensprache den Grundplan und 
die Construction vor Aller Augen darlegt , dass er durch Ilngclnessene 
Glie derungen das Bauwerk als einen lebendigen Organismus hinstellt, 
der selbst seine Ornamentik wie durch ein Naturgesetz hervortreibt.
        

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