Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682644
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Fünftes Buch. 
ein leichterer Abfluss verschafft, sondern die meistens mit Gemälden be- 
deckten inneren Laibungen boten sich dem Beschauer auch in günstigerer 
Ansicht dar. Uebrigens sind die Fenster der Seitenschiffe gewöhnlich klei- 
ner als die des Mittelschiffes. Kreuzarme und Chor erhielten ebenfalls eine 
obere, die Apsiden eine untere Fenster-Region, und zwar zeigt die Haupt- 
nische gewöhnlich drei, jede Seitennische nur ein Fenster. 
Gliegäuvs Um die hohen Wandilächen des Mittelschiffes zu beleben und zugleich 
Oberwamt das untere , den Abseiten zugetbeilte Stockwerk zu markircn, läuft in der 
Regel über den Arkadenbögen ein aus mehreren Gliedern zusammengesetz- 
tes, bisweilen reich sculpirtes Gesimsband hin. Dass sich dasselbe im 
Querhaus und Chor nicht fortsetzt, erklärt sich folgerichtig daraus, dass 
   diese Theile keine niederen Seiten- 
Flg' m" räume neben sich haben. Wo in ein- 
E! zelnen Fällen solche den Chor beglei- 
  ten , da pflegt auch das Arkaden- 
  gesims nicht zu fehlen. Bei einigen 
zll E   Kirchen hat man von diesem Gesims 
_ g  verticale Wandstreifen bis zu den 
 i Kämpfern und Kapitälen der Pfeiler 
  l oder Säulen herablaufen lassen, so dass 
  jeder Arkadenbogen eine rechtwinklige 
j;  4 E Umrahmung besitzt (Fig. 156). An- 
Arkadcn aus S Godehnrd in Hildesheim. derwäräa WO Pfeiler und Säulen Wech- 
seln, liessman wohl das Gesimsband 
w?  ganz fort und bewirkte eine lebendige 
Gliederung dadurch , dass man von 
Pfeiler zu Pfeiler an der Wand einen 
M blinden Rundbogen führte, der die bei- 
  Tvie den auf der zwischengestellten Säule 
  zusammentreffenden Arkadenbögen 
m umspannte (Fig. 157). Dies war ein 
E ästhetischer Fortschritt, durch welchen 
1 e? die Bogenform bedeutungsvoller her- 
Arkaden aus Echternach. vertrat und das Gruppensystem der 
Arkadenreihe kräftiger betont wurde. 
Auch in constructiver Hinsicht hatte solche Anordnung ihre Vorzüge , da 
sie den unmittelbar auf die Säule drückenden Mauertheil verdünnte und zur 
Entlastung dieser schwächeren Stütze beitrug. 
Thurmbau Eine wichtige Neuerung zeigt sich an der Westseite der-Kirche. Hier 
und Empom legen sich nämlich dicht vor das Ende derSeitenschiffe selbständige Thurm- 
bauten, zuerst meistentheils von kreisrunder, bald jedoch, um eine innigere 
Verbindung mit dem Schiff der Kirche herbeizuführen , von qnadrater 
Grundform. Zwischen beiden Thürmen ist sodann auch das Mitte1Schifi' 
noch fortgeführt, jedoch in der Weise, dass der dadurch gewonnene Raum 
nach Art einer Vorhalle angelegt und durch einen Rundbogen oder, wie auf 
Abbildung Fig. 154, durch zwei auf einem Mittelpfeiler zusammentreffende 
Bögen mit dem Schiff in Verbindung gesetzt wird. Bisweilen ordnete man 
über dieser Vorhalle eine Lo ge oder E mpore an, welche ebenfalls durch 
einen zweiten Rundbogen sich gegen das Mittelschiff öffnete. Die Bestimmung 
Gliederung 
der 
Oberwand.
        

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