Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682633
Zweites Kapitel. 
Romanischer Styl. 
255 
Reihe von Säulen, deren Anzahl sich nach der beabsichtigten Länge des 
Mittelschiffes richtet. Sie erheben sich in weiten Abständen und einer den 
Verhältnissen der antiken Kunst ungefähr entsprechenden Höhe. Doch 
scheint die Säule , sei es wegen ihrer schwierigeren Bearbeitung und grös- 
seren Kostspieligkeit, sei es wegen ihrer geringeren Tragfähigkeit, nicht 
lange allgemein geherrscht zu haben. Sehr bald tritt der Pfeiler an ihre 
Stelle, entweder indem er sie ganz verdrängt und aus der S äul e nb as ilik a 
eine Pfeil erb as il ika macht, oder indem er sich in die Säulenreihe alter- 
nirend,' wie auf unserer Abbildung der Kirche zu Hecklingen, Taeinschleicht. 
Manchmal wechselt der Pfeiler selbst mit zwei Säulen, so dass er jedesmal 
die Stelle der dritten Stütze einnimmt. Diese Variationen, die wir schon 
in einigen altchristlichen Basiliken Roms antrafen , und die in der romani- 
schen Epoche neben einander gefunden werden , modiiiciren bereits in 
lebendiger XVeise den Eindruck des Mittelschiffes. Die reine Säulenreihe 
bot am meisten Gelegenheit für Anwendung mannichfacher Ornamentation, 
aber sie stand mit ihrem zierlichen, mehr weiblichen Charakter in einem 
fühlbaren Gegensätze gegen die ernsten Mauermassen. Die ausschliessliche 
Längendurchschnitt der romanischen Basilika. 
Anwendung des Pfeilers gab einen zwar schlichten, schmucklosen Eindruck, 
harmonirte jedoch in ihrer männlicheren Kraft um so besser mit dem Uebri- 
gen. Von anmuthiger Wirkung erwies sich der Wechsel von Säulen und 
Pfeilern, welcher zierlichen Schmuck mit kraftvoller Strenge paarte und 
dem Auge inderselben Weise rhythmisch wohlthat, wie ein trochäisches 
oder daktylisches Maass dem Ohre. 
Die Oberwände des Mittelschiifes erheben sich in ansehnlicher Höhe, 
und zwar etwa 2 bis 2M, mal so hoch als die YVeit-e desselben. Sie werden 
von einer flachen Holzdecke geschlossen. Ziemlich dichfuntel- derselben 
durchbricht eine Reihe von Fenstern dlß Mauerfläche. Durch sie erhält das 
Mittelschiff eine selbständige, von Oben einfallende Beleuchtung, während 
in den Umfassungsmauern der Seitenschiiiie ebenfalls Lichtödnungen zur 
Erhellung dieserNebenräume hegen. Eigenthümlich ist, dass sich die An- 
Ordnung der Fenster nicht immer an die Ahzahl der Arkadenbögen bindet, 
sondern gewöhnlich hinter derselben zurückbleibt. Gleich denen der alt- 
christlichen Basiliken sind auch hier die Lichtöifnungen im Halbkreise ge- 
wölbt, allein da man sie nunmehr mit Glasscheiben ausfüllte, so bildete 
man sie viel kleiner. Auch gab man ihnen keine rechtwinklige Wendung, 
sondern liess dieselbe sich nach aussen und innen erweitern. Dadurch 
wurde nicht allein dem Licht ein freierer Zugang, dem Regen nach aussen 
Mittelschiff.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.