Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682584
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Fünftes Buch. 
altchristlichen Styl gleichsam in kräftigen Umrissen skizzirte Grundgestalt 
weiter auszuführen und durchzubilden, war der dem romanischen und gothi- 
Ausbildung sehen Styl gemeinsame Kernpunkt. In der altchristlichen Basilika waren 
d" Basilika" die einzelnen Theile nur lose an einander gefügt. Das Gesetz antiker Form- 
 bildung hemmte noch wie eine lästige Fessel die freiere Bewegung. Das 
Mittelalter begann dieselbe immer entschiedener abzustreifen, dem Inneren 
einen lcbendigeren Zusammenhang, eine wirkungsvolle WVechselbeziehung 
der Theile zu geben, anstatt der mehr mechanischen Nebenordnung eine 
0 rga nis c h e Gli e d erung zu erzeugen. Das Princip der Horizontallinie, 
welches wie ein Alp auf dem architektonischen Gedanken lastete, wurde 
durch eine Reihe erfolgreicher Umgestaltungen beseitigt und mit dem ver- 
ticalen vertauscht. Auf diese Weise wurde ein wahrhaft organisch durch- 
gebildeter, aus aufsteigenden Gliedern gruppirter Innenbau geschaffen, 
Wölbung. dessen wichtigstes Element die consequent durchgeführte Wölbung war. 
Auch das Aeussere erhielt nun, dem Inneren entsprechend , eine lebendige 
Gruppirung und würdige Ausbildung. Schon die altchristliche Basilika 
zeigte in ihrer zweistöckigen Anlage den Beginn einer Gliederung verschie- 
denartiger Theile. Für die mittelalterliche Kirche trat nunmehr als neues, 
Thurmbau. bedeutsames Moment der Thurmbau hinzu , der erst jetzt in organische 
Verbindung mit dem übrigen Gebäude trat und dadurch auch äusserlich die 
aufsteigende Bewegung zum Abschluss brachte. 
Die ganze Baugeschichte des Mittelalters ist ein ununterbrophenes 
Ringen nach demselben Ziele. Schon der romanische Styl erreicht "von sei- 
nem Grundprincip aus eine Höhe und Vollendung des Systems, dass diese 
einzige architektonische That für eine Gesammtepoche als vollgültiges Ge- 
wicht in die Wagschale fallen würde. So rastlos ist aber das Mittelalter in 
seinem Ringen, dass es in einem völlig verschiedenen Styl, dem gothischen, 
auf ganz neue Weise noch einmal dieselbe Aufgabe einer überraschenden 
Lösung entgegenführt. Wir erkennen daraus eben auf's Klarste, wie der 
ganze Gedankengehalt jener Zeit in die Architektur sich ausströmte und in 
ihren Schöpfungen seine höchste künstlerische Verklärung fand. 
ZWEITES 
KAPITEL. 
Der 
romanische 
Styl 
Allgemeines. 
Verwirrung 
im 9. und 
10. Jahrh. 
Wir deuteten schon an, dass der Zerfall des Karolingischen Reiches 
den Ausgangspunkt der mittelalterlichen Entwicklung bilde. Ehe jedoch 
das Culturleben der einzelnen Velker eine feste äussere Basis gewinnen 
konnte  verging noch geraume Zelt. Innere Parteiungen und Empörungen
        

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