Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682531
ERSTES 
KAPITEL. 
Charakter 
des 
Mittelalters. 
Nach dem Intermezzo des mohamedanischen Styles, welches uns nicht Die svrlnßni- 
einen bestimmten geraden Weg , sondern im Kreise herumführte , suchen Schcnvölkel" 
wir nunmehr den Punkt auf, von welchem die Architektur fortan ihren  
stätigen Schritt bis zum Gipfel der Vollendung lenkt. Wir kehren also zu 
den germanischen Völkern des christlichen Abendlandes zurück, deren erste 
Versuche auf diesem Gebiete wir früher schon in's Auge fassten. Nur da, 
wo die höchsten Aufgaben der Culturentwicklung gelöst werden, fühlen wir 
auch diesmal den vollen Pulsschlag des architektonischen Lebens. 
Das Bild, welches sich nun aufrollt, ist von allem bisher Erschauten sput stramm; 
so ausserordentlich verschieden, dass es hier doppelt Noth thut, den ge- N den 
schichtlichen Hintergrund, auf welchem es sich ausbreitet, mit einigen lmhitektml 
Strichen anzudcuten. Nachdem die alten Völker in strenger Absonderung 
ihren nationalen Sondercharakter in. selbständig verschiedenen Bildungs- 
formen ausgeprägt, nachdem dann die Römer auch in der Kunst den Erd- 
kreis, so weit ihre Adler drangen, ihrem herrschenden Gesetz unterworfen 
und in einer allgemein gültigen Form. Jede nationale Besonderheit erstickt 
hatten, hebt jetzt eine Epoche an, in welcher eine Menge mannighfach 
gearteter Völker von gleicher Grundlage. aus die Entwicklung der Baukunst 
als ein gemeinsames Ziel des Strebens 111 grossartigster Weise zu erreichen 
sucht. Die antike Welt bot den Anblick von plastisch geschlossenen Archi- 
tektur-Gruppen. Das Mittelalter gibt ein Architektur-Gemälde von 
unendlicher Tiefe der Perspectlve, von unerschöpflicher Mannichfaltigkeit  
der Bewegung.  
Unter Karl des Grosseir Herrschaft begrüssten wir die ersten lebens- DasKarolin- 
kräftigen Regungen germanischen Culturstrebens. Aber die römischen gischeneich- 
Traditionen wurden zu äusserhch, Zu spröde erfasst; zu einer Verschmel- 
zung der widerstreitenden Elemente kam es nicht. Der germanische Geist 
musste sich erst gleichsam auf Sich selber besinnen und sich in Staat und 
Sitte neue , entsprechende Formenschaffen, ehe der Prozess einer künst-
        

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