Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682498
Anhang. 
Russische Baukunst. 
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Elemente der verschiedensten Style, gibt sich den Einwirkungen der einzel- 
nen Länder und Bauweisen mit unglaublicher Elasticität hin, ohne in ihrem 
schwankenden Gange zu einem festen Schritte auf ein bestimmtes Ziel sich 
errnannen zu können. Ohne Zweifel wurde sie zu dieser Eigenthümlichkeit 
durch die rastlose 'l'hätigkeit der Phantasie , die nur in Contrasten, nicht 
in organischer Durchführung eines Grundgedankens sich gefiel, verurtheilt. 
Daher hat denn dieser Styl in constructiver Hinsicht keine neue 
That vollbracht. Allerdings scheint er den Spitzbogen erfunden zu 
haben; aber er hat ihn nur als ein Spielzeug müssiger Laune anzuwenden 
Vermocht. Nur aus dieser Sinnesrichtung erklärt es sich, dass der ganze 
Scharfsinn der Araber, anstatt sich in der Erfindung einer neuen Con- 
struction zu bewähren , in den phantastisch-brillanten Tändeleien der Sta- 
laktitengewölbe sich versplittert. Bei alle dem ist nicht zu leugnen , dass 
dieser merkwürdige Styl das Wesen jenes Volks und seiner religiösen 
Anschauungen in charakteristischer Weise ausspricht. Und ivie die Re- 
ligion des Islam sich den Bedingungen so verschiedenartiger Zonen und 
Stämme glücklich anpasste, so schmiegt sich auch der architektonische Styl 
dem Bedürfniss und der Sinnesrichtung der einzelnen Länder des Islam, 
unter Bewahrung einer bestimmten Grundfärbung, auf geschickte Art an. 
Daher sehen wir hier zum erstenmal einen Baustyl, der seine Herrschaft 
über die verschiedensten Nationen und Gebiete erstreckte, ohne die Eigen- 
thümlichkeiten der besonderen Gruppen zu vernichten. 
A 
N 
H 
A 
N 
Die 
russische 
Baukunst 
Gleich der mohamedanischen ging auch die russische Architektur vor- 
züglich von byzantinischen Einwirkungen aus; gleich jener ist auch Sie 
ihrem Wesen nach ein Product des Orients. Aber man würde sich irren, 
wollte man in ihr einen Hauch von dem liebenswürdigen, geistreichen Wesen 
suchen, welches jene überall in mannichfaltiger YVeise zur Erscheinung 
gebracht hat. Es ist der Orientalismus in seiner geistlosesten, barbarische- 
sten Form, byzantinischer POTIIP in asiatischer Verwilderung, der in diesem 
Style zur Geltung kommt. 
Die Grundanlage , das griechische Kreuz , dessen Hauptpunkte durch 
Kuppeln hervorgehoben werden, ist auf Byzanz zurückzuführen. Von dort- 
iier empfing Russland auch gegen Ende des 10. J ahrh. unter Wladimir dem 
Grossen das Christenthum. Kiew und N o wgorod , die alten Hauptstädte 
des Landes , prangten mit kOStbaIen Kirchen. Denn auch hier war Reich- 
thum und Prunk der Ausstattung der vornehmste Gesichtspunkt der Er- 
hauer. S0 verschwenderisch aber auch das Innere mit Mosaiken und dem 
(tharakter 
derselben. 
Kirchen- 
anlagen. 
Inneres. 
L ü b k e , Geschichte d. Architektur
        

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