Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682489
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Viertes Buch. 
Türkische 
Architektur. 
Moscheen 
in Constan- 
tinopel. 
Es bleibt noch übrig, einen Blick auf die. türkische Architektur zu 
werfen, die ebenfalls den späteren Zeiten der mohamedanischen Kunst 
angehört. Bekannt ist, dass Mahmud II. nach der Eroberung von Constan- 
tinopel im J. 1453 die Sophienkirche zur Moschee einrichtete. So weit aber 
waren die Türken von einem eigenen Style entfernt, dass sie überhaupt die 
byzantinischen Formen adoptirten und ihre Bauten durch christliche Bau- 
meister ausführen liessen. Demgemäss schliessen sich die türkischen 
Moscheen, deren man in Constantinopel allein über" 300 zählt, dem Grund- 
plan der Sophienkirche an. Eine grosse Mittelkuppel, welche gleich denen 
der spätbyzantinischen Werke höher ansteigt als die der Sophienkirche, 
erhebt sich, von Halbkuppeln begleitet, über der Masse des Gebäudes. Oft 
treten auf den Ecken Seitenkuppeln hinzu, so wie auch die Vorhallen mei- 
stens mit Kuppelwölbungen bedeckt sind. Eine charakteristische Zugabe 
bilden nur die schlanken Minarets, die an den Ecken des Gebäudes auf- 
steigen. Auch die Sophienkirche erhielt diesen specifisch mohamedanischen 
Zusatz. Das Innere ist dadurch von dem der byzantinischen Bauten unter- 
schieden , dass Arabesken und Inschriften die Wände bedecken, und dass 
die eigentlich bildende Kunst ausgeschlossen ist. So sind auch die figürlichen 
Darstellungen in der Sophienkirche verhüllt. Im Uebrigen plünderte man 
die zu diesem Zweck zerstörten. byzantinischen Prachtbauten und stattete 
mit ihren kostbaren Säulen die neuen Denkmäler aus. 
Unter den Moscheen zu C 0 n stantinop e l i) macht sich die des Sul- 
tan Bajaz et vom Ende des 15. Jahrh. durch den Glanz ihrer antiken 
Marmorfragmente bemerkbar. In ähnlicher Weise ist auch die Ausstattung 
der aus dem folgenden Jahrhundert stammenden Moschee Soliman des 
Z weiten beschafft worden. Bewundert wegen der Ausschmückung sämmt- 
licher inneren Räume mit persischem Porzellan ist die Moschee der Sul- 
tanin Valide aus dem 17. Jahrh. Alle anderen überbietet jedoch an ver- 
schwenderischem Glanz die Moschee Sultan Achmets, deren Kuppel 
auf vier riesigen Säulen ruht, und deren Aeusseres durch sechs Minarets 
ausgezeichnet ist. Auch an ihr tritt eine byzantinisirende Anlage hervor. 
In den Palästen und den übrigen Profanbauten hat seit den letzten J ahr- 
hunderten der abendländische Styl sich immer mehr Eingang verschafft, 
so dass auch hier von einer selbständisch-türkischen Architektur kaum 
noch die Rede sein kann. 
Schlussbe- 
trachtung. 
XVir sahen die mohamedanische Architektur von byzantinischen Ein- 
Wirkungen ausgehen und in ihren letzten Werken Wieder dahin zurück- 
kehren. Bot sie uns auch manche eben so glänzende als originelle 
Schöpfungen dar, so liegt doch in jenem Umstande schon eine Kritik ihres 
Wesens. In der That vermochte sie sich, selbst da, wo sie in grossartig 
monumentaler Weise auftrat und: uns durch klare Anordnung und opulente 
Ausstattung eine gewisse Bewunderung abnöthigte, wie vorzüglich in 
Indien, nicht zu einer consequenten Entwicklung zu erheben, weil es ihr 
an dem unerläsSlichen klar ausgeprägten Grundgedanken mangelte. Dess- 
halb schillert Sie in den mannichfachsten Formen, assimilirt sich die 
 J. z". Hammer 
nnstautinople, u. A. 
Constaxltixxopolis und der Bosporus. 
Travels of Ali Bey. 
Grelo t :
        

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