Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682445
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Viertes Buch. 
Kutab Minar. 
Gattungen 
der Gebäude. 
nach organischer Entwicklung zeugen. Eine rechtwinklige Umfassung-von 
Mauerpfeilern pflegt die einzelnen Bögen einzurahmenß Den oberen Ab- 
schluss bilden kräftig vortretende Gesimse mit einem inForm von aufrecht- 
stehenden Blättern behandelten Zinnenkranze. Auf der Mitte des Baues 
erhebt sich eine mächtige Kuppel, welche eine ausgebauchte, zwiebel- 
förmige, nach oben geschweifte Gestalt zeigt. Manchmal treten noch meh- 
rere solcher Kuppeln hinzu. In ihrer üppig schwellenden Form mag man 
Einwirkungen der phantastischen Hindubauten erkennen. Ausserdem wer- 
den die Ecken durch kräftige Minarets ausgezeichnet. Den Haupteingang 
überwölbt sehr wirkungsreich eine hohe, im Kielbogen weit gespannte 
Nische, die oft als besonderer, durch Minarets eingeschlossener Portalbau 
Vortritt. Die Bedeckung der Räume wird meistens , vielleicht ebenfalls im 
Anschluss an altindische Architektur, durch gerades Gebälk- bewirkt, womit 
der flache, mehr breit gespannte als steil ansteigende Kielbogen gut harmo- 
nirt. Die am Aeusseren schon reiche Ausstattung steigert sich im Inneren 
durch Anwendung kostbarer Steinarten und Mosaiken , leuchtende färben 
und Vergoldungen zu wahrhaft verschwenderischenPracht. So geben diese 
Bauten einen treuen Abglanz von der Macht und dem Reichthum jener 
Dynastien und zugleich von einem gewissen, bei aller Ueppigkeit klar ver- 
ständigen Geiste ihrer Erbauer. Nirgends hat die mohamedanische Archi- 
tektur in gleicher YVeise wie hier einen rhythmisch entwickelten Aussenbau 
hervorgebracht, der durch seine Bogenstellungen, seine vielfach gegliederten 
Mauern in lebendige Wechselbeziehung mit den luftigen Minarets und den 
üppig emporschwellenden Kuppeln tritt. Doch ist zu bemerken, dass auch 
hier zu einer tieferen organischen Durchbildung nicht geschritten wird, dass 
schon die unconstructive Bogenform einer solchen nicht günstig war , wie 
denn der Bogen selbst aus seiner durch die rechtwinklige Umrahmung her- 
beigeführten Gebundenheit sich nicht zu befreien vermochte.  
r Unter den älteren Denkmälern ragt sowohl durch seine Grösse als 
seine ungewöhnliche Gestalt der Kutab Min ar zu Delhi -hervor. Dies 
ist ein über 240 Fuss hohes , thurmartiges Gebäude, welches von seinem 
Erbauer Kutab den Namen führt. In Form einer stark verjüngten riesigen 
Säule steigt es empor, mit Inschriften und rohrförmigen Canelluren bedeckt, 
durch Gesimse und Galerien mit freien Umgängen in mehrere Absätze 
getheilt. Im Inneren führt eine Treppe hinauf bis zur obersten Abtheilung, 
welche vormals eine Kuppel krönte. Ein entfernter Anklang an die buddhi- 
stischen Topezs, doch wesentlich modiiicirt im Geiste mohamedanischer 
Auffassung, liegt dieser seltsamen Form wohl zu Grunde. Die Ausführung 
in rothem Granit zeugt von gewandte-r Technik. 
Die Moscheen Indiens befolgen die Anlage eines viereckigen, von 
Arkaden eingeschlossenen Hofes. Die Seite des I-Ieiligthums wird durch 
einen höheren Bautheil bezeichnet, dessen Zugänge jedoch durchaus offen 
sind. Die P al ä ste erheben sich mehrstöckig oft zu bedeutender Höhe und 
erhalten am Aeusseren durch die kräftig vorspringenden Eckthürme ein 
kühnes Gepräge, im Inneren durch überaus prachtvolle Ornamentation den 
Eindruck glänzender Macht. Mit besonderer Vorliebe haben sodann die 
Herrscher in der Errichtung grossartiger Grabdenkmäler gewetteifert, 
so dass ihre Mausoleen mit ihren Palästen an imposanter Anlage und ver- 
schwenderischer Ausstattung sich messen können. Diese Grabmäler erheben
        

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