Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682429
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Viertes Buch. 
die weiten Perspectiven , welche auch ehemals nicht durch Thüren gehin- 
dert, höchstens durch Vorhänge unterbrochen waren , so dass das Ganze 
als ein einziger zusammenhängender Raum erscheint. Alles athmet hier 
 den "heitersten Genuss eines träumerisch-poetischen Daseins , wie es nur 
 unter südlicher Sonne sich gestaltet; hier wird labender Schatten, erquickende 
Kühlung in phantastisch geschmückten Räumen geboten , und beim Plät- 
schern der Brunnen, beim Spielen des Sonnenlichtes durch die Muster der 
durchbrochenen Bogengarnituren, beim Hauche köstlicher Wohlgerüche, 
musste wohl die Seele eingewiegt werden in romantisches Traumdämmern. 
Damit stimmt denn auch, was noch sonst von baulicher Einrichtung vor- 
handen ist. S0 erhalten die Marmorbäder mit ihren Wannen aus weissem 
 Marmor ein mattes Halblicht durch die zellenartig durchbrochenen Kuppeln. 
So vereinigt namentlich das Mirador, das Toilettenzimmer der maurischen 
Fürst-innen, die höchste Pracht, den glänzendsten Luxus der Ausstattung 
mit der herrlichsten Lage und Aussicht auf das blühende Thal. Von hier 
hat man auch den schönsten Blick auf ein anderes, ebenfalls von den mau- 
rischen Herrschern auf einem gegenüber liegenden Felsen erbautes Lust- 
schloss, Generalif e. Die in demselben erhaltenen Räume zeugen von 
einer verwandten Anlage und Ausschmückung. 
dßedeutungh  Dies sind die wichtigsten der auf spanischem Boden erhaltenen mau- 
 rischen Denkmaler. Sie zeigen eine Stufenreihe von Entwicklungen, wie 
Styles- sie sonst die mohamedanische Architektur nicht kennt. Welch ein Abstand 
von dem feierlichen Ernst der Moschee zu Cordova bis zu dem zierlichen 
Spiel von Alhambra! Dort war die Herrschaft antik-römischer Ueber- 
lieferungen, vermischt mit einem dunklen Anklang an altchristliche Basi- 
likenanlage, ausschliesslich in Geltung: hier tritt der maurische Styl in 
voller Eigenthümlichkeit hervor, nachdem er auch die Einflüsse byzantini- 
scher Kunst, die ihn vorübergehend ebenfalls modificirten, überwunden 
hatte. In den Bauten von Sevilla sahen wir die ersten Regungen einer be- 
wussteren Selbständigkeit, das Mittelglied zwischen der ersten und dritten 
Epoche. Dennoch ist selbst hier nicht in eigentlich architektonischem Sinne 
 von Fortentwicklung die Rede. Weit entfernt, ein constructives Princip 
consequent durchzubilden und ihm eine entsprechende Formensprache zu 
schaffen, läuft die ganze Entwicklung doch zuletzt auf eine Verflüchtigung, 
eine Auflösung des stren architektonischen Elements in spielend-willkür- 
liche Ornamentation hinaäs. Damit steht denn auch das Unsolide der Bau- 
weise, das sorglos bereitete Backsteinmaterial, die aus Holz, Gips und 
Stuck zusammengepappte Wölbung in Verbindung. Sieht man aber von den 
ernsteren Forderungen der Architektur ab, wie es dieser Styl denn wirklich 
Tlhut, S0 muss man gestehen, dass er das, was er geben will, in glänzend- 
ster, ja geradezu unübertrefflicher Art zu geben weiss.
        

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