Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682383
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Viertes Buch, 
Bauten in 
Sevilla. 
Bauten von 
Granada. 
einzelnen Arkadenreihen des Inneren als Wliderlager dienen. Thüren und 
Fenster sind mit Hufeisenbögen überwölbt, die reichen Sculpturschmuck 
haben. Den Abschluss der imponirenden Mauermassen bildet eine Zinnen- 
bekrönung , hinter Welcher sich die Bedachung verbirgt. Diese besteht aus 
einem nicht hoch ansteigenden, mit Blei gedeckten Satteldache für jedes 
Schiff. Zwischen den einzelnen Dächern liegen die Regenrinnen. Ein Mi- 
naret fehlt dieser Moschee gänzlich. 
Ein beachtenswerthes Zeugniss für ein weiteres Entwicklungsstadium 
der maurischen Architektur bietet ein wahrscheinlich im 11. J ahrh. ausge- 
führter Bautheil der Moschee, heute unter dem Namen der Kapelle Villa 
Viciosa bekannt. Er bildet ein längliches Viereck mit erhöhtem Boden 
und überwölbt mit einer prachtvoll bemalten und mit Holzschnitzereien 
bedeckten Kuppel. Nach beiden Seiten öffnet sie sich durch Arkaden aus 
Hufeisen- und Zackenbögen, welche auf antikisirenden Säulen ruhen. Der 
ganze Raum prangt im Schmuck reichster Vergoldung, Mosaiken und 
bemalter Gipsornamente, die den elegantesten arabischen Styl, aber unter 
byzantinischem Einfluss, zeigen. Es wird auch berichtet, dass byzantini- 
sche Arbeiter die Mosaiken ausgeführt haben. 
Ebenfalls auf einer vorgerückten Stufe der Entwicklung stehen einige 
erhaltene Reste von Bauwerken in Sevilla. Am Dome, besonders an 
dem Theile des Aeusseren, welcher der vOrangenhofa genannt wird, lässt 
sich im Wesentlichen die Anlage der alten, seit 1172 erbauten Moschee 
erkennen. Die kahlen, durch Strebepfeiler verstärkten Mauern, mit ihrer 
Zinnenbekrönung, erinnern deutlich an die Moschee zu Cordova. Allein 
die Hufeisenbögen haben hier einen zugespitzten Scheitel und sind ausser- 
dem mit jenen kleinen zackenförmigen Bögen besetzt. Ferner begegnen wir 
hier auf spanischem Boden zuerst einem Minaret, der sogenannten Gi ral da, 
erbaut im J. 1195 und nur in den oberen Theilen modernisirt. Dieser 
Minaret überrascht durch seine kräftige, von der sonstigen Schlankheit 
solcher Bauten sich auffallend unterscheidende Anlage. Er steigt viereckig 
auf und ist im Inneren so geräumig, dass eine selbst zum Hinaufreiten 
geeignete Wendeltreppe ohne Stufen bis zu der Platform führt, auf welcher 
sich an Stelle des ursprünglichen ein später errichteter Aufsatz geringeren 
Durchmessers erhebt. Die zugespitzten und ausgezackten Bögen, die 
schlanken Säulchen der Fenster,  die zierliche , in mancherlei Mustern be- 
handelte Detaillirung des Aeusseren geben den Eindruck eines frei und 
anmuthig entwickelten Styles, der nach Abstreifung fremder Einwirkungen 
sich selbständiger gestaltet hat. Aehnlichen charakteristischen Eigenthüm- 
lichkeiten begegnet man auch an dem Alcazar, dem ehemaligen Palast 
der Herrscher von Sevilla. 
Die Sevillanischen Denkmäler bilden den Uebergang von der ältesten 
Epoche spanisch -arabischer Architektur zu ihrer letzten, üppigsten EM- 
faltung, das Verbindungsglied Zwischen der Mosche zu Cordova und den 
Bauten von Granada. Mitten in einer Provinz, die von der Natur mit den 
herrlichsten Reizen überschüttet und durch menschlichen Fleiss unter der 
Herrschaft weiser Fürsten in einen blühenden Garten verwandelt war. bot 
diese Stadt, nach dem Falle der übrigen Besitzungen, die letzte Zuiiucht 
für die Mauren dar. Es war der Boden, der die höchste Entfaltung dieser 
eigenthümlichen Cultur, aber auch ihren Untergang sehen sollte. Auf dem
        

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