Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682361
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Vieites Buch. 
mittlere, in der Axe des Gebäudes liegende und auf die Halle des Gebets 
führende, eine grössere Breite hat. Später wurden an der östlichen Seite 
noch acht Schiffe hinzugefügt, welche dem Ganzen allerdings die bedeutende 
Ausdehnung von neunzehn Schiffen gaben, aber die Symmetrie der Anlage 
zerstörten. Jede Arkadenreihe besteht aus'32 Säulen, so dass der per- 
spectivische Durchblick einen ganzen Wald- von Säulenstämmen zeigt. In 
der Längenrichtung sind diese Stützen durch hufeisen- 
Fis-149- förmig eingezogene Bögen verbunden. Da aber bei der 
 Kürze der meistenthleils von antiken Gebäuden entnom- 
 f i menen Säulenschäfte die Schiffe zu niedrig geworden 
'    sein würden, so setzte man auf jede Säule noch einen 
2-   kräftigen Mauerpfeiler (vgl. Fig. 149), von dessen obe- 
   rem Theile man nach dem benachbarten ebenfalls einen 
     Verbindungsbogen schlug. Auf den noch weiter empor- 
   geführten Pfeilern ruhten sodann die Querbalken der 
  Decke. Gleichwohl erreichte man damit nur eine Höhe 
Arkaden der Moschee von 34 Fuss, die gegen die bedeutende F lächenausdeh- 
 zu Cordova- nung des Baues (seine Länge beträgt ohne die 210 Fuss 
tiefe Vorhalle 410 Fuss, seine Breite 440 Fuss) gering 
erscheint. Die Decke, im 18. Jahrh. durch ein leichtes Tonnengewölbe 
verdrängt, wurde durch den offenen Dachstuhl gebildet, dessen Bretter 
gleich den Balken , "durch welche man hindurchsah, in reicher Bemalung 
und Vergoldung glänzten. Im Uebrigen entbehrt das Innere eines weiteren 
Schmuckes, und nur die prachtvollen Marmorsäulen mit ihren römischen 
oder den römischen etwas roh nachgeahmten Kapitälen vervollständigen 
den Eindruck einer feierlich strengen Pracht. 
Doch machen das mittlere Schiff, Welches zur Kiblah hinführt, und 
noch mehr diese selbst, die im J l 965 vollendet wurde, in ihrer reicheren 
Ausschmückung eine Ausnahme davon und deuten zugleich auf einen be- 
weglicheren Formensinn, eine gesteigerte Lust an decorativer Ausbildung, 
die den Beginn einer zweiten Baup eriode bezeichnen. Hier offenbart 
sich besonders in den Constructionen der Bögen ein phantastisch bewegtes 
Gefühl (vgl. die Ansicht des Inneren Fig. 150). Nicht allein, dass der ein- 
zelne Bogen in buntem Wechsel von weissen Steinen und reich verzierten 
rothen breiten Ziegeln aus mehreren, mit den Spitzen zusammcnstossenden 
Kreistheilen besteht: auch in der Verbindung der Bögen unter einander 
herrscht ein kühnes Spiel der Laune. Zwischen die oberen Hufeisenbögen 
schlingen sich in seltsamer Durchschneidung reich decorirte Zackenbögen, 
die mit ihrem Fusse keck auf dem Scheitel der unteren Bögen ruhen. Der 
Wechsel des verschiedenfarbigen Materials f die reichen Durchbrech-ungen, 
welche sich mit denen der benachbarten Arkaden mannichfach verschieben, 
der Glanz eines üppigen Arabeskenspieles", welches hier die Wände und 
Bogenflächen bedeckt, verbinden sich zu einem märchenhaften Zauber. 
Denkt man dazu dieprachtvolle ehemalige Ausstattung, die goldenen Flü- 
gelthüren, den aus gediegenen Silber-platten zusammengefügten Boden des 
Heiligthums, und über alles Das den Glanz jener zehntausend silbernen 
Lampen, mit welchen die Freigebigkeit der Erbauer diese Moschee ausge- 
stattet hatten, so erhält man eine annähernde Vorstellung von der mystisch 
feierlichen Pracht, die hier den Sinn des Beschauers gefangen nahm_
        

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