Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682288
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Viertes Buch. 
lichkeit, den das Uebrige hat, harm0niren._ Die einfachere Form (Fig. 143) 
besteht aus einer enseits des Säulenhalses sich fortsetzenden Verlängerung 
des Schaftes, die mit verschlungenen Bändern und 
F59 14m anderen Ornamenten bedeckt ist. Sodann haucht sich 
   _der Körper des Kapitals, mit einem neuen Muster de- 
corirt, kräftig aus und bildet einen elastischenUeber- 
  gang zu dem aus einer Platte und Abschragung beste- 
 henden Ahacus und von da zum. aufruhenden Bogen. 
 Eine reichere Form des Kapitals (Fig.144) geht von 
 .  derselben Grundgestalt aus, weiss dieselbe aber durch 
l mannichfaltigere decorative Zuthat stattlicher zu ent- 
lljlllli wickeln: Manchmal. wird. der Uebergang aus dem unte-, 
Arebieehee Kapitäl. ren Theile des Kapitals in den oberen durch Jene her- 
  auskragenden, reich ornanientirten Stalaktitengewölbe. 
so wie durch Säulchen und kleine Bögen vermittelt.   
Wie dierSäulen und die auf ihnen ruhenden Bögen nur äusserlicli mit 
einander verbunden sind , ohne eine innere Beziehung zu einander aufzu- 
 ,  d h d' M 141" h 
Fig" m" 313111182116 dgchiixdktokiiligche (laiiedjrliieiigdcviii 
 diesen Magd gheieheem zu veedeeken 
ffkgiiwkä! werden alle inneren Wände mit einem 
 m QLWG Tt   ausserordentlich brillanten Ornament über- 
  7 kleidet. Diese Arabesken, wie man sie 
 {L l nach ihren Erfindern den Arabern, e- 
Yßäs  d   nannt hat bewe en sich in einem mit i? 
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 gl ner Berechnung herausgeklügelten Linien- 
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 Q g  14 spiele, welches aus mathematischen Figu 
  ä i, ren , oder aus einem streng typischen. 
 ä  ä  v:   keineswegs an bestimmte Natur-Vorbilder 
 g  ä  erinnernden Blattwerke zusammengesetzt 
  es" iss),        
l:  X5  wird. Es 1st ein neckisches Veischlingen 
31.1.- von Linien, die bald einander suchen, bald 
Arabisches Kapitäl. Alluimbra.  wieder aus einander fliehen:  neue V31." 
 bindungen einzugeben, we c e eben so 
schnell in rastlosem Weiterscliweifen anderen Wechselbeziehungen Platz 
machen. Je strenger diesem Style die bildnerische Thätigkeit untersagt 
War, 11m so ausschliesslicher warf er sich auf diese Ornamentik; die recht 
eigentlich das geistige YVesen der Araber ausspricht. Denn von streng 
mathematischen Formen ausgehend und durch arithmetischen Calcül ge- 
tragen, enthält sie doch zugleich das ganze feurig pulsirende Leben einer 
Phantasie, die nur kaleidoskopische Linien- und Farbenspiele zu erzeugen. 
keine Gestalten. festzuhalten und plastisch abzurunden vermag. Diametral 
verschieden von der Ornamentik und der Decoration anderer Style, welche 
entweder die bauliche Wesenheit der betreffenden Theile in einer klaren 
Symbolik der Formen reranschaulichen oder in lebensvollen Gestalten einen 
besonderen Gedankeninhalt aussprechen, wirken die Arabesken, so viel 
Anmuthiges, Glänzendes, Ja Wahrhaft Schönes sie oft bieten, auf die Dauer 
doch durch die ewige bViederkehr derselben noch so sinnreich verschlun- 
genen Linien ermüdend. Man glaubt nicht in ernsten architektonischen
        

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