Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682246
ZWEITES 
KAPITEL. 
Styl 
der mohamedanischen Baukunst. 
Moscheen. Wie sich überall der höhere Styl der Architektur an den heiligen 
Gebäuden entfaltet, so fassen wir auch bei den Mohamedanern die Bauart 
ihrer Cultusstätten, der Moscheen, vornehmlich in's Auge. Da ergibt 
sich denn gleich bei der Betrachtung des Grundrisses, dass von einer 
feststehenden Form, aus welcher sich eine Weitere Entwicklung hätte an- 
spinnen können, nicht die Rede ist. Die Grundbedingungen, aus denen die 
Moschee sich aufbaut, sind ein grosser Hof für die vor der Andacht vorzu- 
nehmenden Waschungen, und eine Halle (Mihrab) für die Verrichtung der 
Gebete. In welcher Lage, in welchem Verhiiltniss diese Theile zu einander 
stehen sollen, darüber gibt es keine feste Regel. Nur die eine Vorschrift 
ist bindend , dass der betende Gläubige sich nach Mekka zu wenden hat, 
wesshalb eine kleinere Halle (Kiblah) zur Bez dieser Richtung 
angeordnet ist. In dem Gebäude muss sodann ein besonderer Ort ausge- 
zeichnet werden, wo der Koran aufbewahrt wird; ferner ist eine Kanzel 
(Mimbar) nothwendig, von welcher herab die Priester zu den Gläubigen 
reden. Als dritten wesentlichen Theil verlangt die Moschee einen schlanken 
Thurm (Minaret) , von welchem der Muezzin die Stunden des Gebets 
xierkündigt. 
tierschiedene S0 mannichfaltig die Art und XVeise ist, in welcher diesen Forderungen 
Grundmäne- genügt wird, so lassen sich dieiMoscheen doch auf  
zurückführen. Die eine besteht aus einem länglichiiiriereckigen Hofe fder 
auf allen Seiten von bedeckten Säulengängen umgeben und durch hohe 
Mauern von der Aussenwelt abgesondert wird. Nach der einen Seite , wo 
die Halle des Gebets und das Heiligthum mit dem Koran liegen , pflegen 
vermehrte Säulenstellungen dem Gebäude eine grössere Tiefe zu geben. 
Doch sind die dadurch entstehenden, mit Hacher Decke versehenen einzel- 
nen Schiffe sämmtlich von gleicher Höhe, unterscheiden sich also wesentlich 
von dem Charakter der altchristlichen Basiliken. In dem freien Hofe befin- 
det sich ein durch einen kuppelartigen Bau überdeckter Brunnen für die 
heiligen Waschungen. Auch der Kern des Gebäudes wird, namentlich um 
die Stelle des Heiligthums oder das oft mit den Moscheen verbundene 
Grabmal des Erbauers zu bezeichnen, mit einzelnen Kuppeln bedeckt. 
 Dazu kommt endlich ein oder mehrere, eben so willkürlich angebrachte 
" Minarets, welche mit ihren feinen Spitzen sich unvermittelt aus der breit 
i hingelagerten Masse der übrigen Theile sammt ihren schwerfälligen Kuppeln 
erheben. Die ganze Anlage hat also weder wie in den byzantinischen Kir- 
chen einen Mittelpunkt, noch entwickelt sie sich in der Richtung nach 
 einem Zielpunktß Wie die Bäsiliken. Auch dadurch, dass die Halle des 
Gebets manchmal als ein besonderer Bau von beträchtlicherer Ausdehnung 
angefügt wird, erhält dieser einer organischen Entwicklung unfähige
        

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