Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682176
Anhang. 
Georgische und armenische Baukunst. 
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abweichend vom byzantinischen Styl ist es sodann, dass der ganze Bau aus 
Quadern, wenn auch ohne genauen und regelmässigen Fugenschnitt, auf- 
geführt ist, und dass ihn ringsum eine Art von Sockel aus drei Stufen um- 
gibt, die nur von den Portalen durchbrochen werden. Diese selbst sind 
niedrig, rundbogig geschlossen und mit flachen Archivolten umzogen, welche 
manchmal auf Halbsäulen ruhen. Die Fenster sind schmal, fast schiess- 
schartenähnlich , zum Theil mit geradem Sturz , zum Theil rundbogig ge- 
schlossen, in den Giebelfeldem auch wohl kreisförmig. Eine seltsame De- 
coration geben dem Aeusseren die tief eingekerbten, muschelartigen Nischen 
zu den Seiten der Portale und der Apsis, welche meistens von einem auf 
Wandsäulen aufsteigenden üachen Bande umrahmt werden. Diese Anord- 
nung ist zugleich als Motiv für die Decoration der übrigen Wandflächen 
benutzt worden. Um den ganzen Bau steigen nämlich von den Sockelstufen 
ähnliche, sehr flach gebildete Wandsäulen auf, welche durch Archivolten- 
bänder mit einander verbunden sind. Ein solcher Bogenkranz umgibt auch 
den hohen Mauercylinder der Kuppel. 
Sonach gestaltet sich hier ein wohldurchdachter architektonischer Detailbildung 
Organismus in strenger Regelmässigkeit, wenn auch mit einigen seltsamen 
Formen. Die Detailbildung aber und die Profilirung der Glieder ist eine 
merkwürdig ängstliche, schwächliche. Die Wandsäulen sind nur rundliche 
Stäbe ohne kräftig markirte Schwellung und haben Basen und Consolen 
von eben so unschöner als unkräftiger Form. Dieselben zeigen nämlich 
gewöhnlich die Gestalt plattgedrückter Kugeln mit wunderlich eingekerbten 
Ornamenten. Eben so sind auch die Zierbänder, welche Portale , Fenster 
und Archivolten in reicher Anordnung umfassen und die Krönungsgesirnse 
schmücken, nur flach, ohne kräftige Schattenwirkung, mit einem fein aus- 
gemeisselten aber matten Ornament, von vielfach verschlungenen Linien 
bedeckt, hin und wieder mit vegetativen Elementen durchwebt. Dadurch 
wird diesen namentlich nach aussen verständig und klar disponirten Bau- 
ten ein nüchternes, markloses Wesen aufgeprägt. Das Innere , obwohl von 
künstlicher Composition und technischer Gewandtheit zeugend , behält 
doch mit seinen lastenden Tonnengewölben- einen schwerfälligen Charakter 
und lässt in den meisten Fällen eine klarverständliche Gruppirung der 
Räume vermissen. 
 Aus der Zahl der bis jetzt bekannten Denkmäler genüge es, für die Denkmäler. 
Bezeichnung der verschiedenen Hauptformen einige wenige Beispiele 
herauszuheben. Von der Kirche der h. Ripsime zu Vagharschabadßzuvaghar- 
redeten wir schon unter Beifügung des Grundrisses. An ihr prägt sich der schmal 
originelle Charakter der inneren Raumdisposition armenischer Kirchen 
besonders scharf und deutlich aus. Von verwandter Anlage ist die Kirche Kimheß", 
von EtSChmiaZiIl- Dagegen befolgt die im J. 1010 gegründete Kathe- Eischmlazln. 
drale von Ani, von welcher wir den Grundriss und die westliche Ansicht hiileitiie 
beifügen, jene andere Anordnung, welche eine klarere Disposition des Innern 
zulässt) da dig Kuppel auf vier freistehenden Pfeilern ruht und die mit. 
Tonnengewölben bedeckten Nebenräume in directerem Zusammenhange 
mit dem Mittelbau stehen. Neben den seitlichen Portalen und der Apsis 
Sieht man hier die tief eingekerbten Aussennischen, die jedoch an der  
westlichen Facade fehlen. An den Stellen jener Nischen weicht die Mauer 
L üb ke , Geschichte d. Architektur. b;
        

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