Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682118
Viertes Kapitel. 
Altchristliche Baukunst bei den Germanen. 
203 
Epoche ist im ganzen Norden unstreitig der Dom zu Trierl), dessen 
ursprüngliche Anlage (vgl. Fig. 134) sich aus den mannichfachen Umbauten 
und Erweiterungen der späteren Zeit klar 
53-134- herausschalen lässt. Er wurde vom Bi- 
V schof Nicetius , der auch einen Palast von 
   grosser Pracht aufführen liess, um 550 
errichtet. Der ganze Bau bildete in im- 
  ponirender, echt altchristlicher Einfachheit 
   t der Conception ein Quadrat. von 120 Fuss, 
IO innerhalb dessen durch vier mächtige 
  Säulen ein centrales Quadrat von 52 Fuss 
  lichter Weite markirt wurde. Kühn ge- 
  spannte Rundbögen verbanden diese unter 
    einander und mit den entsprechend an- 
  geordneten YVandpilastern; sie trugen 
     Mauern, auf welchen die Balken der 
 flachen Holzdecke ruhten. Eine weite 
4 m so I" Apsis legte sich als Chor an den Mittel- 
 rauni. Die aufgefundenen Spuren der 
Dom zu 'l'rici' in Llrspriiuglicher Anlage. Details Zeigen eine Schurerfäuig rohe 
Nachahmung antik -römischer Formen. 
Von hoher Bedeutung sind sodann die Bauunternehmungen Karls Bauten KnrPs 
des Grossen. YVie sich durch dieses erhabenen Fürsten Einsicht und Ener- d" müsse" 
gie das fränkische Reich zum Mittelpunkte des ganzen Culturlebens der 
germanischen Völker erhob, wie nach den Verwirrungen und Zerrüttungen 
der vorhergegangenen Zeiten sein gewaltiger Arm einen neuen Zustand der 
Dinge, ein neues Reich und eine neue Cultur hinstellte: so spiegelt auch 
die Architektur wieder diese Bedeutung seiner Zeit in klaren Zügen ab. 
Nicht genug, dass erunzählige Kirchen stiftete und durch seine Baumeister 
aufführen liess: er gab auch Gesetze zu ihrem Schutze und trug seinen 
Sendgrafen die Sorge für ihre Erhaltung und Sicherung auf. Seine neue 
Residenz Aachen schmückte er mit prachtvollen Gebäuden, so dass naQh 
fünfhundert Jahren Petrarka auf seiner deutschen Reise über den Glanz 
des Forums mit seinem Theater, seinen Thermen und Aquäducten in Stau- 
nen gerieth. Dort, so wie zu Ingelhelm und Nymavegen, baute er 
herrliche Paläste, die mit ihren kßstbaren Säulen und Malereien die Be- 
wunderung der Zeitgenossen erregten. 
Während von diesen Bauten kein Ilieberrest auf uns gekommen ist, Münster in 
hat sich die kaiserliche Palastkapellei), welche er in Aachen von 796 Arche"- 
bis 804 erbaute und mit seinem Schlosse in Verbindung setzte, im YVesent- 
lichen erhalten. Sie ist als eins der Wichtigsten Zeugnisse für die Kunst- 
entwicklung jener Zeit zu betrachten. Was es heissen Wollte, in einem fast 
culturlosen Lande einen solchen Prachtbau auszuführen, kann man aus den 
Anstalten und Vorbereitungen abnehmen, die Karl zu diesem Ende traf.  
Von nah und fern berief er Bauverständige zur Entwerfung des Planes und 
1) 91h W, schnallt; Denkmälerfop Trier. Lief. II. 
2) F. Älertevzs: Ueber die Karohnglsclme Kajserkapelle zu Aachen, in Förstefs Allgem. Bauzeitung. 
134a  F_ Nolgen; Archäologische Beschreibung der Münster- und Krönungskirche zu Aachen. b. 
Aachen 1.918.
        

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