Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682107
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Drittes Buch. 
hier hinaufgehoben worden ist, erregt gerechtes Staunen. Die spärlichen 
Details dieses Bauwerkes, namentlich das mächtige Kranzgesims, zeigen 
eine kräftige, aber styllose Bildung, die indess doch auf antike Motive 
zurückzuführen sein wird. Zu den Palastbauten dieser Frühzeit gehört 
Pnl- d-Iorri sodann noch der Palazzo delle Torri zu Turini) , wahrscheinlich aus 
zu Tlmm dem S. J ahrh. , ein Backsteinbau von mächtigen Verhältnissen, dessen 
lilacade nach Art römischer Gebäude durch Bogenstellungen auf Pilastern 
von schlichter Bildung gegliedert wird. 
S.Lorenzo in YVährend in diesen Bauten der römische Einfluss sich als herrschend 
Imüamh erweist, gibt ein anderes grossartiges Denkmal jener Zeit ein Beispiel von 
der Einwirkung Ravennatischen Styles. Dies ist S. Lorenzo in M ai- 
landil), eine ungemein klare, grossartige Centralanlage, obwohl in späterer 
Zeit umgebaut. Die achteckige Kuppel, auf vierseitigem Unterbau ruhend, 
die doppelten Säulenstellungen, welche nischenartig angeordnet sind und in 
zwei Stockwerken Umgänge um den Mittelraum bilden, erinnern an die 
Form von S. Vitale in Ravenna. 
Im Norden. Auch ausserhalb Italiens verbreitete sich, Hand in Hand mit dem 
Christenthume, dieselbe Bauweise, die obendrein an den im Frankenreiche, 
im westlichen und südlichen Deutschland zahlreich vorhandenen Resten 
altrömischer Kunst nicht allein Vorbilder, sondern auch Baumaterial fand. 
Denn das bleibt auch im Norden der Grundzug der beginnenden Architek- 
tur, dass sie für ihre neuen YVerke die Denkmäler antiker Kunst ungescheut 
in Contribution setzt. Dass bereits unter den Merowingern eine lebhafte 
Bauthätigkeit bestand, wissen wir durch die Nachrichten der Schriftsteller. 
Wie es scheint, stammt ein sehr bedeutendes Denkmal an der YVestgrenze 
Deutschlands aus jener Epoche, obwohl andere Stimmen es der spätrömi- 
P0113 Nigra sehen Zeit zusprechen wollen. Es ist die Porta Nigra in Trier3) , ein 
z" "im" gewaltiger Quaderbau, der ebenfalls in der Weise römischer Massenbauten 
durch Bogenstellungen gegliedert ist. Zwei breit gespannte, im Rundbogen 
gewölbte Thore öffnen sich in der Mitte, während die Ecken thurmartig im 
Halbkreise vor-springen. Säulen- und Pilasterstellungen theilen die Mauer- 
fläche in drei Geschosse mit rundbogigen Fensteröffnungen ab. Die Details 
sind von grosser Einfachheit und Derbheit. Das spätere Mittelalter hat aus 
dem Thore eine Kirche gemacht. 
Kirchen- Manches erzählen uns die Chronisten von den zahlreichen Kirchen- 
bame" bauten jener Jahrhunderte. Aus ihren Nachrichten geht hervor, dass im 
Allgemeinen der Basilikenbau am weitesten verbreitet war, und dass man 
behufs der künstlerischen Ausschmückung sich grossentheils auf die Reste 
antiker Denkmäler oder ihre Nachahmung beschränkte. Doch fehlt es auch 
nicht an Andeutungen, welche auf polygone Grundformen bei kirchlichen 
Gebäuden schliessen lassen. In Frankreich kann man manche vereinzelte 
Spuren aus jener Zeit nachweisen, welche eine Bestätigung der geschicht- 
lichen Nachrichten geben. Das wichtigste Denkmal der vorkarolingischen 
Pal. d. Torr 
zu Turin. 
S. Lorenzo i! 
Mailand. 
1) F. Osien: Die Bauwexke in der Lombardei vom 7. bis 14. Jahrh. F01. Darmstadt. Vergl. auch 
Cardero : DelP Italiaua arcfutettgra durante 1a dominazione Longobarda. 
2) vgL darüber H. Häfbsclz 1m Deutschen Kunstlintt 1854, S. 415 ff (nebst Grundriss), und F. Kug- 
Ieräv entgegenstehende Ansxcht ebendaselbst S. 442 (f. 
3) C. W. Schmidt: Denkmäler von Trier. Lief. V, und F. Kugler: Kleine Schriften etc. lI, S. 10331
        

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