Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682047
1.96 
Drittes Buch. 
waren mit grossartigen Mosaikbildern auf Goldgrund bedeckt. Aus vier- 
undzwanzig grossen Fenstern, die auf dem Kranzgesims der Kuppel sich 
erheben , fiel ein mächtiger Lichtstrom auf all die reiche Pracht, und alle 
 Nebenräume, die Halbkuppeln, die Emporen, die Seitenschiffe, erhielten 
eine ihrer Bedeutung entsprechende Beleuchtung. Selbst die Altarnische, 
 in S. Vitale fensterlos, empfing durch drei Fenster ein selbständiges Licht. 
Die Fenster selbst aber wurden wie bei den Basiliken mit dünnen, vielfach 
durchbrochenen Marmorplatten geschlossen. 
Das Aeusscrc. Das Aeussere , gegenwärtig durch Hinzufügung von Minarets und 
anderen türkischen Zusätzen entstellt (vgl. Fig. 131), erhob sich in ernsten, 
ruhigen Massen, nur durch die Fensteröffnungen und die den Stockwerken 
 des Inneren entsprechenden Gesimse getheilt. Sehr charakteristisch zeigen 
 sich dagegen die flachen Wölbungen der Kuppel und Halbkuppeln, welche, 
 ohne ein besonderes Dach , nur mit Metallplatten bekleidet waren. Diese 
wellenförmigen, geringen Erhebungen geben dem Ganzen den Ausdruck 
des Sehyveren, Lastenden, und zugleich den Stempel einer an den Orient 
erinnernden Phantastik. Von der Sorgfalt, welche man auf die Ausführung 
des Baues wandte, zeugt der Umstand, dass man die Ziegelsteine zu" dem- 
 selben aus einer besonders leichten Erde auf der Insel Rhodus fertigen liess, 
so dass diese Steine nach einer Nachricht fünfmal, nach einer anderen sogar 
 zwölfmal leichter als gewöhnliche Ziegel waren.  
Aesthetische Mit der Sophienkirche hatte die byzantinische Architektur den Höhen- 
Würdigumä- punktr ihrer Entwicklung erreicht. Dass die hier gewonnene Form dem 
 ästhetischen Sinne jenes Volkes am meisten entsprach, wurde bereits an- 
gedeutet. Aber auch in constructiver Hinsicht erwies sie sich als muster- 
gültig. Nach langen Versuchen war hier das grossartigste Beispiel einer 
complicirten Gewölbanlage aufgestellt, die in ihrer Zusammensetzung von 
eben so grossem Scharfsinn als technischem Wissen zeugt. Die gewaltige 
Kuppel warf zunächst durch die vier grossen Gurtbögen den Druck auf die 
Hauptpfeiler. Von dort wurde er nach zwei Seiten auf die sich anlehnende 
Halbkuppel und deren Pfeiler gelenkt, wobei nach dem Vorgänge von 
S. Vitale durch die Kreisstellung der Säulen diese leichteren Stützen ent- 
lastet w-urden. Nach den beiden anderen Seiten wurde der Seitenschub der 
Kuppel durch die den Pfeilern entsprechenden Strebepfeiler der Umfas- 
sungsmauern aufgefangen, während die beiden Arkadenreihen für die Last 
der auf ihnen ruhenden" Füllungswand hinreichten, und die Gewölbe der 
Emporen durch andere Säulen und Zum Thßil dllrCh die Pfeiler gestützt 
wurden. Es war dahernach diesem glänzenden Vorgange natürlich, dass 
 die Architektur, obendrein bei der zähen Beharrlichkeit und Regelsucht der 
Byzantiner, sich jenem Muster anschloss und sich in einer nur durch ge- 
ringere Ausdehnung und minder reiche Ausstattung von demselben unter- 
 scheidenden Wiederholung der Grundmotive und Hauptanordnung gefiel. 
Andere Doch wird schon zu Justiniaus Zeiten eine andere Auffassung des 
 Kirchenplanes bemerklich, die von der Gestalt eines Kreuzes mit etwas 
verlängertemfvvestlißllem Arm ausgeht. "Im Inneren ziehen sich parallele 
Säulenstellungen in den Kfellzarmen hin. Auf der Durchschneidung von 
 Langhaus und Querarm erhebt sich eine Kuppel, zu welcher vier kleinere, 
auf den Enden der Kreuzflügel angebrachte hinzukommen. Dadurch wurde
        

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