Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1682025
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Drittes Buch. 
umschriebene Raum nur aus ihr herausgeschnitten. Dieser Mittelraum 
erhält in der Längenaxe der Kirche, nach Osten und XVesten, eine Erwei- 
terung, indem sich sowohl hier als dort eine mächtige Halbkuppel, die auf 
den entsprechenden beiden Pfeilern und zwei anderen, schwächeren ruht, 
an die Hauptkuppel anlehnt. Dadurch erhält das so begrenzte Mittelschiff 
im Grundriss die Form einer Ellipse , welcher auch die flache Kuppelwöl- 
bung entspricht. In die Halbkuppel schneiden sodann wieder drei kleinere, 
ebenfalls mit Halbkuppeln überwölbte Nischen, von denen die beiden seit- 
lichen nach dem Vorbilde von S. Vitale auf doppelten, nach der Kreisform 
gestellten Säulenarkaden ruhen, während die mittlere an der Ostseite, mit 
einer Wand geschlossen, die Altarapsis bildet, und diejenige der XVestseite 
durch die Wand der Vorhalle rechtwinklig abgeschlossen wird. Die dop- 
pelten Säulenreihen deuten schon auf die zweistöckige Anlage, welche in 
allen Nebenräumen durchgeführt ist. Zu diesem Ende sind die beiden 
Bögen, die nördlich und südlich den Mittelraum begrenzen, durch eine 
Wand geschlossen, welche ebenfalls von zwei über einander gestellten 
Säulenreihen gestützt wird. Das grosse Bogenfeltl dieser beiden Seiten- 
wände wird durch drei über einander angebrachte Fensterreihen erleuchtet; 
von den Arkaden öffnen sich die oberen auf die für die Frauen bestimmten 
Emporen (das Gynaeceum), die unteren auf die N ebenschiEe. Diese theilen 
sich durch vorspringende Pfeiler  die wohl bei der Restauration nach 
dem Erdbeben verstärkt worden sind  in drei vor jener Wiederherstel- 
lung vielleicht mehr zusammenhangende Räume, deren Gewölbe von Säulen 
getragen werden. Nach Westen schliesst sich in der ganzen Breite des 
Gebäudes eine gewölbte Vorhalle an, aus welcher man durch neun grosse 
Portale in das Innere und auf seitwärts angebrachten Treppen zu den Em- 
poren gelangte. An diese Vorhalle stösst noch eine andere, schmalere, 
parallel mit ihr liegende Halle, der für die Büsser bestimmte Narthex, die 
wiederum die eine Langseite des grossen rechteckigen Vorhofes bildet, den 
wir mit seinem Weihbrunnen auch bei den grösseren Basiliken fanden. 
YVir haben somit ein Ganzes vor Augen, welches allerdings der Länge 
nach aus drei Theilen, einem mittleren, dominirenden zwischen zwei unter- 
geordneten Nebenräumen, besteht. Im Vergleich zu S. Vitale ist die con- 
centrische Anlage hier also wesentlich gemildert, was man als ein Zuge- 
ständniss an die schlichte Zweckmässigkeit der Basilika betrachten kann. 
Aber das Uebergewicht der centralen Kuppel besteht nichtsdestoweniger 
auch hier, und die auf dessen Grundlage erzeugte Einheit ist eine eben so 
schwerfällig-mechanische als rafiinirt-künstliche. Die Apsis, der für das 
Allerheiligste bestimmte Raum, erscheint nur als ein Anhängsel des An- 
hängsels der Hauptkuppel, anstatt dass sie in der Basilika sofort als Ziel- 
und Knotenpunkt des ganzen Baues mächtig heraustritt, Zu bemerken ist 
übrigens , dass die beiden Seitennischen aus liturgischen Bedürfnissen ent- 
sprangen, da die eine (Prothesis) zu den Vorbereitungen des heiligen Opfers, 
die andere (Diakonikon) zu den Vorlesungen der Diakonen diente. 
Die innere Ausschmückung bewegt sich in den Formen des 
durchgebildeten byzantinischen Styles. Kamen in S. Vitale noch römische 
Compositakapitäle vor, so Zeigen dagegen die zahlreichen Kapitale der 
Sophienkirche die derbe byzantinische Form in mannichfach wechselnder 
Decoration. Die Schäfte der hundert Säulen, welche man im Inneren zählt,
        

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