Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681997
Drittes Kapitel. 
"Byzantinischer Centralbau. 
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Blick doch auch in der Hauptrichtung des Gebäudes nicht irren kann. 
Verstärkt wurde der imponirende Eindruck des Inneren durch die kostbare 
Ausstattung desselben. Die unteren Theile der Wände bis zu den Kämpfer-  
höhen der Säulen waren gleich dem Fussboden mit Marrnorplatten beklei- 
det , alle oberen Theile dagegen bis zum Scheitel der Kuppel prangten in 
reichen Mosaiken, theils grosse Figuren, Brustbilder in Medaillons, theils 
reich gemusterte Einfassungen der HauptdarSfellllngen enthaltend. Diese 
bildnerische"Ausschmückungü von welcher Fig. 126 eine Andeutung gibt,"- 
ist nur zum Theil noch erhalten, aber selbst in den Resten von mächtiger, 
echt monumentaler Wirkung. Die eigentlich architektonischen Details, in 
vorzüglicher Feinheit ausgemeisselt, zeigen durchaus den Stempel ausge- 
prägt byzantinischen Styles. Zwar haben die oberen Säulenreihen römische 
Compositakapitäle, aber alle übrigen sind mit dem schon oben beschriebe- 
nen trapezartigen Kapital versehen (vgl. Fig. 123 u. 124 auf S. 186). Die 
stumpf gebildeten Basen der unteren sind durch eine in neueren Zeiten 
erfolgte Erhöhung des Fussbodens, bei der man jedoch das alte Marmor- 
piiaster wieder benutzt hat, verdeckt. Auch das dreitheilige breite Fenster 
vor der Altarapsis im Sanctuariumf das man auf unserer Abbildung des 
Inneren Fig. 127 sieht) ist neuerer Zusatz, gleich den von Engeln getrage- 
nen Wappen , welche oben in der Kuppel die Zwickel verdecken , und den 
zwischen den Fenstern derselben angebrachten korinthischen Pilastern. 
Welch bedeutendes constructives Wissen und welche technische Praxis 
sich an diesem wichtigen Denkmale kund gibt, beweist die künstliche Kup- 
pelwölbung des Mittelraumes , beweist die icomplicirte Anlage des Ganzen, 
zumal die nischenartige Stellung der Säulenarkaden, wodurch der Seiten- 
schub der Emporengewölbe auf die kräftigen Hauptpfeiler geworfen wurde. 
Das Aeussere, einfach in Ziegelmauerwerk aufgeführt, ist nur dadurch 
Fit 12g bemerkenswerth, dass die Kuppel von einem 
D Dache bedeckt wird, eine Anordnung, welche 
den Einfluss abendländischen Geistes und 
 Klimas zu verrathen scheint.   
h So bedeutsam indess die polygoine Grund- Weitere-Ent- 
yTX-NÄ, I form hier durchgebildet war, so ungünstig Wicklung" 
f  erwies sie sich doch ihrer Ungewöhnlichkeit 
-   - und räumlichen Beschränkung wegen für die 
'  ' ' Anlage grösserer Kirchen. Man griif daher 
 l bald zu einer viereckigen Anlage zurück, mit 
 f welcher man zuerst den achteckigen Mittelbau 
' '  zu verbinden suchte. Solches zeigt die Kirche s. Sergius 
I l I I S. Sergius und Bacchus zu Constanti-"nd Bacchus" 
nopel (Fig. 128W). Bei einer quadratischen  
_ _ I - Gßsammläanlage erhebt sich hier der mittlere  
.1.  7   5„ Kuppelraum wie in S. Vitale auf acht Pfeilern 
 mit zwischengestellten Säulenarkaden. Diese  
 '    Kirche scheint demnach ein Zwischenglied 
zwischen jenem Ravennatischen Bauwerke und dem Hauptdenkmale der 
byzantinischen Kunst, der Sophienkirche in Constantinopel, zu bildßn-  
   Ä  für diese und die folgenden Kirchen W. Salsenberg: Altchristliche Baudenkmale von Cm]-  
stantinopel vom V. bis XII. Jahrhundert- F01. u. 4. Berlin 1854. 
        

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