Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681952
Drittes Kapitel. 
Byzantinischer Centralbau. 
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eine Säule hineingestellt, die das Fenster in zwei von kleineren Bögen ober- 
halb geschlossene Theile zerlegt. Die Portale haben horizontalen Sturz und 
darüber einen denselben entlastenden Rundbogen. Am meisten charakte- 
ristisch für diesen Styl ist jedoch, dass die Kuppeln. ohne von einem be- 
sonderen Dache überdeckt zu sein, in ihrer runden Linie auch nach aussen 
hervortreten, und dass auch an Stellen, wo sonst ein Giebel angewendet zu 
werden pflegte , diese geschweifte Formrbeibehalten wird. Eindem römi- 
schen Consolengesims nachgebildetes Kranzgesims trennt dann die ernsten 
aufsteigenden Mauermassen von der Kuppel. Diese runden, weichen Li- 
nien, die mehr für den Innenbau geeignet sind, erinnern an den Orient mit 
seiner Vorliebe für schwellende, weichliche Formen , und stehen in einem 
charakteristischen Gegensatze gegen die streng geradlinigen Mauermassen. 
Uebrigens ist der Eindruck "des Aeusseren neben dem Fremdartigen, wel- 
ches die runden Bedachungen ihm geben, von schlichter, imponirender 
XVürde. 
Vielleicht lag in dem Behagen, welches der Osten an complicirten gründe für 
Formen findet, ein Hauptgrund, warum im byzantinischen Reiche der Cen- dägfälätte 
tralbau mit der Kuppel dem mit flacher Holzdecke versehenen Langhause beließ- 
der Basilika vorgezogen wurde. Das gekünstelte, auf einer raffinirten Tech- 
nik beruhende Wölbungssystem harmonirte auch durchaus mit dem Cha- 
rakter des oströmischen Staates. Sodann aber war ohne Zweifel der Mangel 
an Bauholz und der Reichthum an Mitteln im üppigen Byzanz ein wichtiger 
Grund für die Aufnahme des Kuppelbaues. Zudem mögen aber auch manche 
Verschiedenheiten der Liturgie, sowie die Sucht nach Rang- und Geschlechts- 
absonderung zur Ausbildung des byzantinischen Grundplanes nicht wenig 
beigetragen haben.  
Die Denkmäler und die historische Entwicklung. 
 Eine hervorragende Stelle in der früheren Entwicklung des byzantini- Ravennati- 
sehen Styles nehmen die Bauten von Ravenna eine). Zunächst ist hier S"heBa"te"' 
das B aptis terium der Kathedrale zu nennen, ein einfach achteckiger Bau Bnptisterium. 
ohne Umgänge. Das CharekteTiStiSCh Neue an demselben besteht darin, 
dass durch eine Doppelstellung wion Säulen an den Wänden eine zwei- 
stöckige Eintheilung angedeutet wird, und dass die von den Säulen jeder 
Seite aufsteigenden Iialbkreisbögen durch einen grösseren, sie umfassenden 
Bogen zu einer Gruppe zusammengeschlossen werden, ein System, welches 
die römische Architektur nicht kannte. Sodann ist die Grabkapelle der S.Nazario 
Galla Placidia (die jetzige Kirche S. Nazario e Celso) , in der ersten 6091"" 
Hälfte des 5. J ahrh. erbaut, VOR Wichtigkeit. Sie bildet ein Kreuz, dessen 
Flügel von T onnengewölben bedeckt Sind, dessen erhöhter Mittelraum von 
einer Kuppel überwölbt wird. In der Ausführung herrscht noch die antike 
"Technik vor, und das Innere hat einen reichen Mosaikschmuckq 
In voller Selbständigkeit entwickelt tritt der byzantinische Styl zuerst s. Vitale. 
an der Kirche S. Vitale auf. Sie wurde von 526-547 unter griechischer 
l-Ierrschaft erbaut. Der. ganze Bau bildet ein regelmässiges Achteck von 
107 Fuss Durchmesser, mlt- elner westlichen, schief auf der Axe der Kirche 
V gl  
das phen 
nitirte Werk von F. 1'. Quast.
        

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