Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681925
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Drittes Buch. 
bewahrte manche Traditionen antiker Kunsttechnik, wenn auch in geistlos 
hergebrachter Behandlung; es schuf endlich ein System der Architektur  
unbedingt die bedeutendste positive Leistung des byzantinischen Geistes 
 welches in manchem Betracht auch für die bauliche Entwicklung des 
Abendlandes Impulse gab. 
Bausystenl. 
Byzantinisches 
Basilikenbau. Auch im byzantinischen Reiche war zunächst die Basilika der Aus- 
gangspunkt der kirchlichen Architektur. YVie in Rom, so erbaute Constan- 
' tin auch in seiner neuen Residenz und in anderen Städten seines Reiches 
mehrere Kirchen, die uns als flachgedeckte Basiliken bezeichnet werden. 
Noch ist in B ethlehem die grosse fünfschiffige Basilika erhalten, welche 
die Mutter des Kaisers, die h. Helena, gründete. In ihrer Anordnung, 
ihren Säulen, dem geraden Gebälk, dem Kreuzschiffe gleicht sie durchaus 
den frühesten römischen Basiliken.  
Kuppelbau. Im Laufe des fünften Jahrh. bildete sich dagegen im oströmischen 
Reiche allmählich ein auf anderen Grundlagen beruhender Styl, den man 
als eigentlich byzantinischen aufzufassen hat. Dieser ging von dem 
altrömischen Kuppelbaue aus. Zwar gab es auch in Italien gewisse 
kirchliche Gebäude, an welchen die Form der Kuppel vorherrschte. Be- 
sonders sind dahin die Bap tisterien (Taufkapellen) zu rechnen, welche 
 als Nachbildung der Baptisterien in den antiken Bädern auf runder oder 
 polygoner Grundlage mit einer Kuppel überwölbt waren. Diese Form hatte 
 auch früher schon in dem Mausoleum der Constantia (S. Costanza bei Rom) 
 zu einer complicirteren Bauanlage geführt, indem um den erhöhten, über- 
 kuppelten Mittelraum ein niedriger, durch Säulen von jenem getrennter 
 Umgangs gelegt wurde. Dennoch blieben diese Planbildungen im Abend- 
 lande nur vereinzelt und für besondere Fälle in Gebrauch; die byzantinische 
Q Kunst erst wandte sie als Grundelement auf ihren gesammten Kirchen- 
k bau an. 
Grundplan. Es wurde demnach ein erhöhter Mittelraum angenommen , in weiten 
Abständen von mächtigen Pfeilern eingeschlossen, welche durch hohe Bö- 
gen mit einander verbunden waren. Ueber diesen erhob sich die Wölbung 
ß der Kup p el. Meistens stieg sie von einem oberhalb der grossen Gurtbögen 
liegenden Gesimskranze auf, indem die zwischen diesem und den Bögen 
sich bildenden Felder durch Zwickel (Pendentivs), d. h. Gewölbfelder, die 
innerhalb eines sphärischen Dreiecks beschrieben sind, ausgefüllt wurden. 
Ringsum schlossen sich niedrige Seitenräume an, durch Säulenstellungen. 
die als Füllung in jene Hauptbögen eingelassen waren, mit dem Mittel- 
raume in Verbindung gesetzt. Im Anfange scheint man für das Ganze die 
achteckige Grundform festgehaltenizu haben. Das räumlich Beschränkende 
derselben führte jedoch später zu einer ungefähr quadratischen Anlage, 
welche man nach der Länge und der Breite durch erhöhte Mittelräume 
durchschnitt, in deren Kreuzung sich sodann die Hauptkuppel erhob. Hier- 
durch wurde aus der viereckigen Grundform ein Kreuz mit vier gleich 
langen Schenkeln, das sogenannte griechische, im Gegensätze zu dem latei- 
nischen, dessen Hauptstamm verlängert ist, herausgehoben. Bei dieser 
complicirteren Form schlossen der mittleren Kuppel sich mächtige Halb-
        

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