Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681906
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Drittes Buch. 
sie, von welchem der Bogen aufstieg. Dies war ein durchaus neues, byzan- 
tinisches Element, welches später genauer in's Auge zu fassen sein wird. 
Die Arkaden des Schiffes gewannen dadurch den Charakter leichteren und 
kräftigeren Aufsteigens, indem der Rundbogen durch den Aufsatzküberhöht 
erschien. Ueberhaupt wurde die Form der Basilika regelmässiger und fester, 
und zwar ohn e Quer s chif f , ausgebildet und auch zuerst eine Gliederung 
 des Aeusseren versucht. Man führte nämlich- die Mauern mit stärkeren 
Wandpfeilern oder Lisenen (Liseen) auf und setzte eine leichtere Füllung 
für die Fenster-wand ein, wodurch nicht allein eine Entlastung, sondern 
auch eine rhythmische Bewegung hervorgebracht wurde. Verband man nun 
S-Apßllinare obendrein, wie an S. Apollinare in Classe (Fig. 122) , diese Lisenen 
m 0155m am oberen Ende mit Blendbögen, so war eine deutliche Reminiscenz an 
die Säulenarkaden des Inneren gegeben. Endlich führte man neben der 
Basilika einen einfachen runden Glock enthurm auf, der jedoch noch 
ohne inneren Zusammenhang mit dem Baue stand. Die Thürme so wie die 
ganzen Aussenmauem der Kirchen wurden in Backsteinen errichtet.  
Die eben erwähnte Basilika, welche 549 eingeweiht wurde, ist dreischiffig 
und zeigt im Einzelnen mancherlei byzantinische Elemente, Drei Schiffe 
S- Arwllillßrö hat auch die Basilika des h. Martin, jetzt S. Apollinare nuovo genannt, 
nuowh während der schon im 4. J ahrh. erbaute, im vorigen J ahrh. neu aufgeführte 
Dom. D 0m zu Ravenn a fünfschifiig ist. 
DRITTES 
_KAPITEL. 
Der 
byzantinische 
Centralbau. 
Allgemeines. 
G0 mischte 
Culturele- 
mente  
 Als das oströmische sich von dem abendländischen Reiche trennte 
(395 n. Chr.) , dieses dem immer mächtigeren Andrängen der nordischen 
Völker und der inneren Auflösung überlassend, begann hier im- äussersten 
Osten Europas ein Oulturleben von merkwürdigster Art. Byzanz War nicht 
Wie Rem der Mittelpunkt einer altbegründeten Weltherrschaft, der Herd 
einer Bildung, deren Denkmäler in verschwenderischer Pracht in das ver- 
wilderte Leben der Gegenwart hineinragten. Hier war erst kürzlich eine 
neue Residenz auf neuem, von der Cultur fast unberührtem Boden ge- 
schaffen worden. Es galt also, diese mit dem Luxus auszustatten, an wel- 
chen die römischen Herrscher gewöhnt waren. Nicht allein die Einrich- 
tungen des Lebens, die Grundzüge des Rechtsund der Sitte, sondern auch 
die architektonische Ausprägung derselben wurden daher nach antik-römi- 
schem Vorbilde eingeführt. Hierdurch entstand ein Gegensatz zwischen 
der neuen Religion und den alten Formen des bürgerlichen und staatlichen
        

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