Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681868
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Drittes Buch. 
liegt, erscheint höchst einfach: allein in allem künstlerischen Schaffen sind 
die einfachsten Gedanken zugleich die entwicklungsfähigsten: der Musiker 
bildet- aus dem einfachsten Thema die herrlichste Symphonie, der Dichter 
aus der einfachsten Grundidee das ergreifendste Drama. Und dass der 
Gedanke der Basilika die Probe bestanden hat, werden wir im weiteren 
Verlaufe der geschichtlichen Betrachtung erfahren. 
DasAwssßrß- So einseitig aber wandte sich die neue Richtung dem Innern zu, dass 
einstweilen für die Belebung des Aeusseren Nichts abfiel. Nach 
aussen trat die Basilika mit kahlen Mauermassen vor, nur unterbrochen 
durch die Fenster und Portale. Doch gab das mächtig aufragende Mittel- 
schiff, dem sich dienend und abhängig die niederen Seitenschiüe anlehnten, 
im Verein mit dem hohen Querhause und der aus dessen ernster Mauer- 
fläche vertretenden Nische, einen bei aller Anspruchslosigkeit würdevollen, 
bei aller Einfachheit grossartig imponirenden Eindruck. Im Gegensatze 
gegen alle früheren Tempelanlagen bezeugte auch das Aeussere der Basilika 
-durch seine Eintheilung und seine doppelten Fensterreihen die zwei- 
stöckige Anlage, die Verbindung mehrerer verschieden- 
artiger Räume zu einer Einheit.  Die ziemlich hohen und breiten 
Thüren, die meistens durch bronzene Thürflügel geschlossen wurden, waren 
mit einem geraden Sturze überdeckt, den man durch einen darüber gezoge- 
nen Halbkreisbogcn entlastete. Wo ein Vorhof fehlte, wurde diesem Portal 
eine kleine, dessen Stelle gleichsam vertretende Vorhalle angesetzt, die auf 
zwei Säulen ruhte und gewöhnlich mit einem Kreuzgewölbe bedeckt wurde. 
Fuße... Im Gegensatz gegen die offenen, von Säulenstellungen umgebenen, 
durch plastische Werke geschmückten antiken Tempelfacaden bot die Ba- 
silika eine geschlossene Facade dar, die nur durch das Portal oder 
die Vorhalle unterbrochen wurde und mit kolossalen Mosaikdarstellungen 
geschmückt zu werden pHegte. Das mit dem schrägen Dache aufsteigende 
Gesims, meistens in der spät-römischen Weise mit dünner Platte auf Con- 
solen, oft auch ohne Consolen, bildete den Abschluss. Die Mauern waren 
meistens ohne Verputz in Backsteinen ausgeführt, die durch Schichtungen 
und Fenstereinfassungen in verschiedenfarbigen Ziegeln manchmal Ab- 
wechslung erhielten. Auch hierin erkennt man die Scheu der altchristlichen 
Architektur vor plastischer, die Vorliebe für malerische Ausschmückung. 
 Erst in späterer Zeit verband sich ein Thurmbau mit der Basilika, 
und zwar in der Weise , dass ein einfach viereckiger oder runder Glocken- 
thurm, in seinen oberen Theilen mit rundbogig überwölbten Schallöffriungen 
versehen, dem Gebäude ganz äusserlich und ohne organische Verbindung 
zur Seite trat.    
Innere Eim  Ehe wir an die Aufzählung der namhaftesten Basiliken gehen , haben 
rißhtmls- wir noch Einiges über die innere Einrichtung der Basilika beizubrin- 
gen. In dieser Hinsicht zerfiel das Gebäude in zwei Haupttheile: die mei- 
stens gegen Osten angelegte Apsis sammt dem Kreuzschiffe, welcher Theil 
Sanctuarium. als Sanctuarium oder Presbyterium für den Altar und die Geist- 
lichkeit bestimmt wurde, und das Langhaus, welches die Gemeinde auf- 
nahm. In der Mitte der Nische Stand der erhöhte Stuhl des Bischofs , 11111 
den sich an den YVänden die Sitze der höheren Geistlichkeit im Halbkreise 
hinzQg-en, Den Altar, welcher frei vor der Nische sich erhob, bildete ein 
Tisch, durch einen Baldachin (Ciborium) überbaut , dessen Vorhänge ge-
        

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