Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681844
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Drittes Buch. 
Ober-wand. Ueber den schräg ansteigenden, an den Mittelbau gelehnten Pult- 
dächern der SeitenschiHe erhob sich die Oberwand des Mittelschiffes zu 
bedeutender Höhe, in ihrem strengen Ernst durch keine architektonischen 
Glieder gemildert, nur durch eine Reihe von Fenstern jederseits durch- 
brochen. Diese waren anfangs hoch und weit, mit Halbkreisbögen über- 
spannt, mit rechtwinklig gemauerter Laibung, zuerst durch dünne, durch- 
brochene Marmortafeln geschlossen, die, im Verein mit den Fenstern in 
den Umfassungsmauern der Seitenschiße, ein zwar reichliches aber ge- 
 dämpftes Licht dem Innern zuführten. Erst in späteren Jahrhunderten 
erhielten diese Fenster allmählich kleinere Form.  Die Bedeckung sämmt- 
licher Räume, mit Ausschluss der mit einer Halbkuppel überwölbten Nische, 
wurde durch eine flache, mit verziertem Täfelwerke geschlossene Holzdecke 
bewirkt, über welcher sich die nicht sehr steil ansteigenden Dächer erho- 
ben. Erst in späteren Zeiten einer dürftigeren Bauführung liess man diese 
Decken fort und zeigte die offene Balkenconstruction des Dachstuhls. 
Art der So grossartig nun die Basilika in ihren Hauptverhältnissen entworfen 
Dumhbildimgwar, so fehlte doch jener Zeit zu sehr der feinere künstlerische Sinn, als 
dass es ihr hätte gelingen können, dies bauliche Gerüst auch im Einzelnen 
consequent auszubilden. Es kam zunächst auch in der That nicht hier- 
auf, sondern nur auf die Hauptsache, auf die Schöpfung einer neuen 
Architekturform, an, und für eine solche war eine Zeit, die den Blick 
für das Detail verloren hatte und nur nach einer Gesammtconception suchte, 
welche für die neuen geistigen Bedürfnisse ein entsprechender Ausdruck 
sei, am besten geeignet. Es ist daher nicht zu verwundern, dass die Aus- 
bildung der Basiliken sehr mangelhaft war. Man führte das Gebäude mei- 
stens in Ziegeln, zum Theil auch in 'I'uffstein oder Quadern auf, jedoch in 
ziemlich nachlässiger Weise, die sich in späteren Jahrhunderten nur noch 
steigerte. Die Säulen entnahm man, besonders in Rom, den antiken Pracht- 
gebäuden, welche in grosser Anzahl noch vorhanden waren. Konnte man 
nicht genug gleichartige erhalten, so setzte man verschiedene in einer Reihe 
neben einander und machte sie auf völlig barbarische Weise dadurch gleich, 
dass man die zu langen verkürzte oder tiefer in die Erde grub, die zu kur- 
zen durch einen höheren Untersatz verlängerte. Daher wechseln auch in 
römischen Basiliken die verschiedenen Säulenordnungen der antiken Style 
manchmal in bunter Vermischung; doch ist die korinthische die häufigste, 
ohne Zweifel weil man diese an den römischen Monumenten in der grössten 
Anzahl vorfand. Das korinthische Kapitäl ist auch, weil es bei seiner 
schlanken, reichen Form am besten aus dem runden Säulenschafte in die 
viereckige Archivolte überleitet, für diesen Zweck das geeignetste, obwohl 
auch hier der zu leicht gebildete Abacus keine glückliche Vermittlung mit 
dem breit vorstehenden Bogen abgab. 
Neue pun- Ein Wichtiger Fortschritt gegen die antik-römische Architektur liegt 
 aber darin, dass die S äule selbst aus der müssigen Decorativstellung, die 
B sie dort einnahm, befreit und einem neuen Berufe entgegengeführt wird. 
Die letzten Römerbauten, Werke wie die Constantinische Basilika und der 
Saal der Diocletiansthermen. waren darin schon mit einflussreichem Bei- 
spiel vorangeschritten. Die Säule ist nun wirklich wieder, was sie bei den 
Griechen gewesen war: stützendes, raumöffnendes Glied, nur 
dass ihre Stützfähigkeit in viel ernsthafterer Weise als dort in Anspruch 
überwand.
        

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