Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681828
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Drittes Buch. 
altchristliche Basilika vor allen Dingen einen hoch hinaufgeüihrten, mit. 
einem Dachstuhle völlig bedeckten Mittelraum, der zwar an den 
beiden Langseiten die niedrigen Säulenhallen, oft mit ihrer oberen Galerie, 
beibehält, mit der Nische dagegen durch Beseitigung der dortigen 
Säulenstellungen in unmittelbare Verbindung tritt. Somit 
ist ein Bauwerk von durchaus neuem Charakter geschaffen. Was dort rings 
umschlossener freier Raum war, ist hier zu einem hohen Mittel schiffe 
mit niedrigen Seitenschiffen (Abseiten) geworden, und es ist ein 
bauliches System gewonnen, welches entschieden in der Längenrichtung 
fortleitet, bis es sein Ziel, die grosse Halbkreisnische, trifft. Diese (Apsis, 
Concha , Tribuna genannt) wird hierdurch bedeutsam für den ästheti- 
schen Eindruck des Inneren, indem sie 
Fis- 113- mit ihrem mächtigen Bogen das Mittel- 
  schiff in imponirender Weise schliesst. 
  Häufig findet sich aber auch ein Quer- 
-      haus (Kreuzschiff) angeordnet, wel- 
f ches in der vollen Höhe des Mittelschitfes 
l  T ' sich zwischen dieses und die Apsis legt. 
g ,  Indem es sich einerseits an die grosse 
   Halbkuppel der letzteren lehnt, öffnet es 
 Z  1;, ä sich andrerseits mit einem mächtigen, 
  E E" E E Ff. bisweilen auf gewaltige Säulen gestell- 
  ä   3] ten Halbkreisbogen, dem sogenannten 
  ä A ff  Triumphbogen, gegen das Mittel- 
 Q h e Q   schiff. Auf die Abseiten dagegen mün- 
 : ä  ä   det es mit je einer kleineren im Halb- 
 e r: Ei kreise geschlossenen Oeffnung. Meistens 
    ä? tritt das Kreuzschiif mit seiner Masse 
 s  a m   über die ganze. Breite des Langhauses 
   ä Z s? hinaus.  Der Zugang endlich blieb, 
 E ß v  wie bei den antiken Basiliken, an der 
   ä Z '  der Nische gegenüberliegenden Schmal- 
 E s E ß 1 Seite, wo meistens eine Vorhalle von 
i    . j   "r  F: der Höhe der Seitenschiife sich vor die 
  l    l    ganze Breite des Gebäudes legte, aus 
         welcher in jedes Schiff ein besonderer 
'Basilika s. Paul vor Rom. Eingang führte. So stellte gleich dem- 
 Eintretenden die Hauptrichtung des Ge- 
bäudes sich klar vor Augen und lenkte den Blick auf den hohen Triumph- 
bogen und durch ihn hinweg auf die Apsis hin. 
Construction Die Säulenreihen, welche das Mittelschiff von den Seitenräumen 
"m Innen" trennten, hatten zugleich die ganze Last der oberen Schiifmauer zu tragen. 
 Um sie zu dieser Function tauglich zu machen , kam man nun auf die be- 
deutende Neuerung, dass man die Säulen in etwas weiteren Abständen 
 stellte und statt des Architravs durch breite Halbkreisbögen 
(Archivolten) verband, die unter einander ihren Seitenschub aufheben 
und dem- Oberbaue eine kräftige Stütze boten. Statt der ruhigen Einheit 
des antiken Architravs hatte man also die bewegte Vielheit einer Anzahl 
von gleichen Gliedern, die in sanfter Schwingung das Auge nach dem Ziel-
        

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