Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681733
Drittes Kapitel. 
Römische Baukunst. 
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von riereckiger Grundform auf den Ecken vorspringend. An der dem Hafen 
zugewandten Südseite, wo sich die Wohnung des Kaisers mit einer pracht- 
vollen Colonnade von funfzig Säulen gegen das Meer öffnete, finden sich 
keine weiteren Thürme. Dagegen ist jedes der drei Eingangsthore in der 
Mitte der übrigen Seiten mit zwei achteckigen Thürmen flankirt, und vor 
die Mitte der so entstandenen Abtheilungen legt sich abermals ein vier- 
eckiger Thurm. Das Hauptthor, die ngoldne Pfortea, befindet sich an der 
Nordseite. Sein Sturz wird durch eine sinnreiche Construction nach Art 
der Gewölbe gebildet, die umgebenden Mauerflächen erhalten durch Säulen- 
stellungen mit Bögen und Nischen eine durchaus äusserliche Decoration. 
Treten wir durch den Haupteingang ein, so befinden wir uns in einer mit 
Arkaden eingefassten Strasse , welche sich 'mit einer anderen im Centrum 
des Gebäudes schneidet. Das grosse Quartier zur Linken scheint der 
Leibgarde, das zur Rechten den Frauen zugehört zu haben. YVeiter schrei- 
tend, gelangt man an einen weiten freien Platz, der von Arkaden in der 
Strassenflucht getheilt wird. Rechts liegt ein um 15 Stufen erhöhter kleiner 
Tempel, den man-dem Aesciilap zuschreibt. Die vier Säulen seiner Vor- 
halle sind verschwunden, das kleine, mit einem Tonnengewölbe bedeckte 
Gebäude dient jetzt als Kapelle. Zur Linken erhebt sich ein interessanterer 
Bau , der sogenannt-e Tempel des Jupiter, ein Kuppelbau, von-24 Säulen 
umgeben, aussen achteckig, innen rund mit Nischen und Wandsäulen in 
zwei Geschossen, 431]? Fuss weit im Durchmesser, 461], Fuss hoch bis 
zum Anfang der Kuppel. Früher wurde die Cella .nur durch die Thür 
erhellt; als man den Tempel edoch zu einem christlichen Dom umwandelte, 
brach man Fenster hinein und entstellte das Gebäude durch Hinzufügung 
eines Glockenthurmes. Im Centrum der ganzen Anlage fortschreitend, 
kommen wir endlich zu einem Säulenportikus , der in ein kreisrundes 
Vestibulum führt. An dieses stiess der grosse Hauptsaal, 98 Fuss lang, 
77 I], Fuss breit. mit zwei Säulenreihen, welche das hohe Gewölbe trugen. 
Auf beiden Seiten des Saales waren die Palastraume völlig symmetrisch  
angelegt, alle aber standen mit der langen Säulengalerie, die sich nach 
aussen öffnet, in Verbindung. So entartet an diesem mächtigen Herrscher- 
palaste die Einzelformeii schon erSCh81I1ent_ S0 grossartig, ist doch die 
Disposition des Ganzen, so reich und malerisch seine Wirkung. Ausser- 
dem sehen wir auch hier, wie aus dem Untergange der alten Formen bereits 
ein neues architektonisches Princip sich hervorzuringen beginnt, da eine 
unmittelbare Verbindung von Säulen und Bögen Stattfindet, was wir auch 
sonst- an Werken der Spätzeit, an den Thermen Diocletiads, der Constan- 
tinischen Basilika u. a. gefunden haben. q 
Von der Art, wie die Römer ihre Wohnungen augzuschmügken pfleg- Wandmalerei 
ten, geben die Städte POIÜPCJ 1 und Hercul anum die mannichfachsten 
Beispieleäi). Sämmtliche Zimmer sind mit Wandgemälden bedeckt, und 
zwar in der Weise, dass die Fläche der Wand einen einfachen, entweder  
hellen oder dunklen Ton zeigt. In der Mitte ist ein kleines Feld ausgespart,  
das durch ein Gemälde geschmückt wird. Anrnuthige Arabesken umschliessen 
 
2 Bde. 
Berlin. 
TV. Zahn: Die schönsten 
F01. Berlin 1828-1845. 
Ornamente und Gemälde aus Herculnnuln, PßmPeji und stabiae- 
 U". Tewrite: Wandgemälde aus Pompeji und Herculanuxxm. F01.
        

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