Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681645
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Zweites Buch. 
Triumph 
bogen. 
Schwimmbassins, offene Höfe mit Säulenhallen für die Ringer, Säle für das 
Ballspiel, für freie Unterhaltung, Bibliotheken, ja selbst Gemäldesamm- 
lungen. Den Hauptraum bildete das sogenannte Ephebeum, das als gesell- 
schaftlicher Versammlungsort diente. Diese labyrinthischen Bauten, die 
oft den Platz ganzer Stadtviertel einnahmen, wurden mit der erdenklichsten 
Pracht ausgestattet und mit kostbaren Kunstwerken , Bildsäulen, Hermen 
berühmter Männer, Sculpturgruppen, Gemälden geschmückt. Dass bei der 
Combination so mannichfaltiger Räume, unter denen manche von bedeuten- 
dem Umfang sein mussten, die Kunst des Wölbens eine wichtige Rolle 
spielte, leuchtet ein. Die erheblichsten Ueberreste solcher Anlagen sind die 
Thermen des Titus, des Caracalla und des Diocletian; vom Pan- 
theon, als einem Nebengebäude der Thermen des Agrippa, war bereits 
oben die Rede. Von den Thermen des Diocletian, in denen 3200 Personen 
zugleich baden konnten, ist der I-Iauptsaal noch erhalten und in die 
Kirche S. Maria degli angeli verwandelt. Seine Kreuzgewölbe ruhen auf 
acht Granitsäulen, deren Basen und Kapitäle , letztere theils korin- 
thischer, theils römischer Ordnung, aus Weissem Marmor bestehen. 
Ein Nebengebäude derselben Thermen von runder Grundform bildet die 
jetzige Kirche S. Bernardino. Sodann scheint auch der sogenannte Tempel 
der Minerva Medicaä) den Mittelpunkt einer Thermenanlage der spä- 
teren Cäsarenzeit gebildet zu haben. Es ist einer der merkwürdigsten 
Ueberreste, besonders durch die Art seiner Grundform und Construction, 
die einen zehnseitigen Kuppelraum mit eben so vielen ausspringenden Halb- 
kreisnischen zeigt. Die Kuppel, mit einer Spannweite von 75 Fuss, kommt 
von allen ähnlichen antiken YVölbungen der des Pantheon am nächsten. 
Ueber den Nischen durchbrechen grosse Rundbogenfenster die Mauer. Spu- 
ren von verschiedenen anstossenden Baulichkeiten sind noch zu erkennen. 
Von einem Saal der Th. des Caracalla gibt Fig. 108 eine restaurirte Ansicht. 
Eine andere Art öffentlicher Bauwerke waren die Ehrendenkmäler, 
welche durch Beschluss des Senats und der Volksversammlung den heim- 
kehrenden Siegern oder überhaupt in späterer Zeit den Cäsaren errichtet 
wurden. Zumeist waren es prachtvolle Triumphthore, durch welche 
der siegreiche Feldherr seinen Einzug in die Stadt hielt, im Geleit seiner 
Kriegsbeute und der gefangenen Feinde als Vertreter der unterjochten 
Völker. Ein mittlerer, hoch und weit gespannter Bogeh, meistens von zwei 
kleineren zur Seite begleitet, war das Motiv, welches durch Zuziehung 
prächtiger Säulenstellungen auf hohen Postamenten, mit reich vortretendem 
Gebälk, einer Attika mit der Weihungsinschrift oder einem Giebelfeld mit 
Bildwerken bedeutsam entfaltet wurde. Marmor-Reliefs, die sich auf die 
Thaten des Siegers beziehen, bekleiden die Flächen der inneren und äusse- 
ren Wände und verleihen den überaus stattlichen , imposanten Denkmälern 
den Reiz lebendiger Bilderschrift. Durch Adel und Anmuth der Verhält- 
nisse ausgezeichnet ist Zu Rom das Triumphthor des Titus, errichtet für 
den im J. 70 n. Chr. über die Juden erfochtenen Sieg. Es hat nur einen 
Bogen und ist überhaupt ziemlich einfach, doch durch seine Sculpturen 
und das hier zuerst auftretende römische Kapital (vgl. Fig. 90 auf S. 136) 
 Aufnahmen bei Canina. 
modernes. F01. Paris 18351. 
Vgl  
HUC 
h C. E. Isabelle 
Parnllille 
des salles 
rondes d'Italie antiques
        

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