Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681559
Drittes Kapitel. 
Römische Baukunst. 
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messer haltenden Säulen auf der Vorderseite. Durch einen geräumigen 
Vorhof, dessen 500 zu 300 Fuss messende Seiten von doppelter Säulen- 
Stellung eingefasst waren, erhielt er das Gepräge höchster Bedeutung. Im 
Innern zeigte er die originelle Anordnung zweier gleich grosseryCellen, die 
in der Mitte mit einer Halbkreisnische für das Götterbild zusammenstiessen. 
Die Nische war durch eine Halbkuppel, der übrige Cellenraum dagegen 
durch ein mächtiges mit Kassettirungen bedecktes Tonnengewölbe geschlos- 
Sen, die Gliederung der Wände wurde durch Mauernischen von abwech-  
selnd halbrunder und rechteckiger Grundform bewirkt. Die Seitenmauern 
der Cellen, aus Backsteine-n ausgeführt, die aussen mit weissem parischem, 
innen mit buntem Marmor bekleidet waren, stehen zum Theil als malerische 
Ruinen noch aufrecht.  
Einer der imposantesten Reste römischer Architektur, vollständig er- Pßntheon. 
halten wie kein anderer. ist das Pantheon. In der besten Zeit römischer 
Kunst, unter Augustus" Regierung im J. 26 v. Chr., von einem römischen 
Baumeiser, Valerifzes von Ostia, aufgeführt, ist es als die grossartigste 
 und eigenthümlichste Schöpfung je- 
{HL ner Architektur zu betrachten. Es 
X 7   war ursprünglich ein zu den Ther- 
  h. x men des Agrippa gehörender Neben-  
 (f? V V 0x bau, zugleich als Tempel dem J upi- 
 I 4' ter Ultor geweiht. Ein mächtiger 
f, , k Mauercylinder, 132 Fuss im inneren 
f f  t l Durchmesser, wird von einer voll- 
l  ä  B) ständigen Kuppel bedeckt, deren 
l iil 1 Scheitelhöhe vom Boden gleich dem 
K iDurchmesser des Rundbaues ist.  
l; i" l F. Diese rein mathematischen Verhält- 
li K w. e! nisse sind bezeichnend für den Geist 
  Q. ü. 6 der römischen Architektur. Die 
_j_ r Wand ist im Innern durch acht 
i. F f" h" Nischen, die abwechselnd theils 
i. - halbrund, theils rechtwinklig aus-  
   getieft sind und mit ihren Halbkreis- 
äo    bögen in den runden Mauercylinder 
fil    hineinschneiden, gegliedert. In der 
 einen Nische liegt der Eingang, in 
"H? 1,  denübrigen siebenstanden aufPosta- 
 menten Götterbildnisse, die später 
christlichen Heiligen gewichen sind. 
Sechs dieser Nischen sind durch je zwei hineingestellte korinthische Säulen  
getheilt. Ueber den Nischen zieht sich eine Attika mit einer Pilasterstel- 
lung umher, von deren Gebälk sodann die mit Kassettirungen ausgestattete  
gewaltige Kuppel aufsteigt- Sie hat oben in der Mitte eine Oeffnung VOR 
26 Fuss im Durchmesser, von welcher dem imposanten Raume ein mächtig 
concentrirendes, den Eindruck grossartiger Einfachheit verstärkendes Ober- 
licht zuströmt. Aber nicht bloss der Sonne, sondern auch dem Regen Steht 
der Zugang frei; um letzteren abzuführen, ist der Fussboden nach der 
Mitte hin vertieft und mit kleinen Oeffnungen versehen. Der reiche Bronze- 
10'
        

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