Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681539
Drittes Kapitel. 
Römische Baukunst. 
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von dessen Peristyl noch drei sehr schöne, gegen 50 Fuss hohe korinthische 
Säulen sammt Gebälk erhalten sind; der von Domitian erbaute T. der Mi- 
nerva, auch T. des Jupiter Stator benannt, von dem ebenfalls nur 
noch drei reich und prachtvoll gebildete Säulen stehen (vgl. das Kranz- 
gesims desselben unter Fig. 91 auf S. 137). Andere zeigten den etruski- 
schen Grundplan, indem sie nur eine tiefe Vorhalle von Säulen vor der 
kürzeren Cella besassen; so zu Rom der T. des Antoninus und der Fau- 
  stina(Fig.95) inderNähe 
hg" 90'  k des Forums, um 150 n. Chr. 
 Q Q  in reichem korinthischem 
t g  .  Will   Styl errichtet; ferner zu 
l a,       , 
  . i_ j. 1- rässisi ein Tempel ähn- 
     licher Anlage von edler 
QM"   9    Durchbildung, jetzt die Kir- 
'  '     che s. Maria della Minerva; 
V7  zu Pola in Istrien ein T. des 
Tempel des Antoninus und der Faustiiia. A ug u s tu S und der R 0 m ar 
ebenfalls in brillantem ko- 
rinthischem Style. Noch andere bekunden jene schon oben berührte Ver- 
schmelzung etruskischer und griechischer Anlage, die zu der Vorhalle an 
den andern Seiten noch Halbsäulen hinzufügte, eine Mischgattung, die als 
Prostylos Pseudoperipteros zu bezeichnen ist. Solcher Art ist zu Rom der 
T. der Fortune virilis (vgl. dessen Grundriss unter Fig. S8 auf S. 134), 
noch aus den Zeiten der Republik stammend, jetzt als Kirche S. Maria 
Egiziaca dienend, in schweren ionischen Formen mit besonders schwülstig 
missverstandenen Kapitälen, die künstlerische Decoration in Stuck aus- 
geführt; ferner zu Tivoli der T. der Sibylla, dessen Säulen den ioni- 
sehen Styl zeigen; zu Nismes in Frankreich der T. des Cajus und 
Lucius Cäsar, unter dem Namen nMaison quarreea bekannt, in edel 
ausgebildetem korinthischem Styl. Ebenfalls von mehr italischer als griechi- 
scher Grundform scheint der kolossale T. des Sonnengottes gewesg-n 
zu sein, welchen Kaiser Aurelian um 270 n. Chr. aufführen liess. und 
dessen gewaltige Fragmente lange Zeit unter dem Namen DFIOIItlSPlZ des 
Neroc bekannt waren (ein Kapitäl defSelbeIl unter Fig. 89 auf S. 135). 
Besonders charakteristisch für die römische Architektur und ihr vorzugs- 
weise eigenthümlich sind die runden lempel, die auf a1t_ita1ische 
Ueberlieferung hinzudeuten scheinen, Zumal da sie gewöhnlich einer ur- 
sprünglich italischen Gottheit, der Vestif, geweiht waren, Hier sind die 
Tempel dieser Göttin zu Rom und zu Tivoli zu nennen, ersterer von20, 
letzterer von 18 korinthischen Säulen umgeben. Obwohl an solchen Ge- 
bäuden die Verbindung eines Sälllöllbö-EIGS mit der runden Grundform nicht 
gerade glücklich zu nennen ist, da" 6111 gebogenes Gebälk in unlösbarem 
Vviderspruch mit dem Wesen des Architravbaues steht, so muss doch 
namentlich der Tempel zu T1v01l In seiner malerischen Wirkung als eine 
der anmuthigsten kleineren Schöpfungen römischer Architektur bezeichnet 
werden. Auf hohem Unterbau empßrragend, hat der gegen 35 Fuss hohe 
Bau um so mehr Interesse, als in ihm eins der wenigen Denkmäler aus 
einer Frühepoche dieser Bauweise erhalten ist. Die kleine kreisförmige 
Lübke, Geschichte d. Architektur. 10
        

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