Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681510
Drittes Kapitel. 
Römische Baukunst. 
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 seit der Eroberung Griechenlands  zur Herrschaft gelangte. Zu den 
wichtigeren Resten ans den letzten Zeiten der Republik gehört sodann der 
kleine Tempel der Fortuna virilis, die beiden Tempel zu Tivoli, 
der Tempel des Hercule s zu C ora , endlich das Grabdenkmal der Ca e-  
ciliaMetella.   
Gegen Ende dieser Epoche, besonders seit dem J. 60 v. Chr., wurden Letzte Zeit 
durch den gewaltigen Wetteifer, in welchem die hervorragendsten Männer de" Republik" 
um die Alleinherrschaft der Welt rangen, WVerke grossartiger Anlage in's 
Leben gerufen , von denen freilich kaum Spuren auf uns gekommen sind. 
Verschwunden ist das riesige Theater, welches M. Scaurus im J. 58 baute,  
dessen Scena mit allem erdenklichen Aufwand von Prachtstoifen geschmückt 
war , und dessen Zuschauerraum 80,000 Menschen fasste; verschwunden 
das erste steinerne Theater, das Pompejus im J. 55 errichten liess , zwar 
nur für 40,000 Zuschauer eingerichtet, aber jedenfalls ein Zeugniss gross- 
artigen kühnen Baugeistes; verschwunden das ausgedehnte neue Forum, 
welches Cäsar erbaute und ausser anderen dazu gehörigen xAnlagen mit 
einem in der Schlacht von Pharsalus gelobten Tempel der Venus Genitrix 
ausstattete.   
Den Höhenpunkt ihrer Blüthe erlebte die Architektur bei den Römern Augusteische 
unter Augustus" glücklicher Regierung (31 v. Chr.  14 n. Chr.). Pracht- Perimhm 
volle Tempel entstanden , darunter der des Quirinus, ein Dipteros, der 
eigenthümlicher Weise in dorischem Styl ausgeführt war, sodann das Pan- 
theon und die grossartigen Thermen des Agrippa, das Theater des 
Marcellus, das riesige Mausoleum (Grabdenkmal) des Augustus 
und viele andere Werke. Was uns aus dieser Zeit erhalten ist, zeichnet 
sich durch eine gewisse Harmonie und einfachen Adel der Verhältnisse vor- 
theilhaft aus. Wrruv, dessen architektonisches Lehrbuch glücklicherWeise 
auf uns gekommen ist, gehörte ebenfalls der Augusteischen Epoche an. 
Jene Blüthe erhielt sich eine lange Zeit, genährt durch die Prachtliebe ZeitdesTitus. 
und Baulust der Kaiser, auf fast gleicher Höhe. Zur Zeit des Titus schei- 
nen gewisse römische Eigenthümlichkeiten schärfer in den Vordergrund zu 
treten, wie denn auch an seinem Triumphbogen (70 nach Chr.) zuerst das  
römische Kapital vorkommt. Charakteristisch für diese Epoche sind 
auch die G eb ä ude von P o mp ej i, all denen übrigens der dorische Styl, 
vielleicht zufolge griechischer Einflüsse von den süditalischen Colonien,  
vorwiegt. Auch das Colosseum, Jenes riesige Amphitheater, yerdankt 
Titus seine Vollendung. Besonders Zelchnete sich sodann Trajan durch Des Trajan 
seine Bauthätigkeit aus, und sein neues Forum galt lange als das herr- ""61 Hadnim 
lichste Denkmal der bauprächtigen Stadt. Auch Hadrian war ein eifriger 
Gönner der Kunst, wenn auch vielleicht kein eben so glücklicher Förderer. 
Seine T ib ur ti ni s c h e Villa war gefüllt mit kostbaren Kunstwerken, und 
das ganze Reich trug grossartige Spuren seiner Baulust. Aber es lag theils 
etwas bunt VermischendeS, theils etwas Prunksüchtiges in seiner Kunstliebe,   
xso dass der Luxus kostbarer Stßinarten unter ihm einen besonders hohen 
Grad erreichte, nicht ohne Nachtheil für die Würde der Architektur. 
Vom Anfang des dritten Jahrh. nach Chr. bis zur Mitte- des vierten van-am 
bricht immer entschiedener der Verfall herein. Es macht sich ein unruhiges, 
unharmonisches Wesen in der Architektur geltend, und es ist.- als durch-  
zucke bereits ihren Körper das Gefühl der nahen Auflösung. Die Bekannt-
        

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