Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681502
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Zweites Buch. 
manchmal kolossal aufgethürmt. In den Palästen der Kaiser vereinte 
sich mit dem Prunk höchsten Luxus zugleich die Würde und Majestät der 
Erscheinung, die dem römischen Leben überhaupt eigen war, und die aus 
drei Erdtheilen zusammengeraubten Schätze der Reichen und Vornehmen 
liessen um die Wette Wo hnhäu ser und Villen emporwachsen, die 
einander an Glanz und Grösse überboten. Geradezu unübertroffen stehen 
endlich die mächtigen Nützlichkeitsbauten da, mit welchen die Rö- 
mer jeden ihrer Schritte bezeichneten , die B rü c ke n und W a s s e rle i- 
tungen, die oft in drei-, vierfachen Bogenstellungen ein tiefes Thal, einen 
breiten Strom überspannen, die Heerstrassen und Befestigungen 
aller Art; mit welchen sie wie mit einem Netze ihr weites Reich bedeckten. 
Da ist kein Zweck des Lebens, der nicht seine architektonische Verkörpe- 
rung gefunden hätte.  
[Tebersicht der geschichtlichen Enhvieklung 
und der Denkmäler. 
Epochen. 
Früheste 
Arbeiten. 
Sarkophag 
des Scipio. 
Es liegt im Wesen der römischen Architektur, dass sie im höheren 
Sinne keine innere Entwicklungsgeschichte hat. Sie übernahm 
bereits fertige Formen, die historisch geworden waren , und aus denen 
sie lediglich das künstliche Gerüst ihres Bausystems zusammensetzte. 
Daher können wir uns auf einige Andeutungen über den äusseren Verlauf, 
den jene Kunstrichtung genommen hat, beschränken. Aus der früheren 
Epoche der römischen Architektur, welche die ersten Zeiten der Republik 
umfasst, wissen wir nicht viel; doch ist es bezeichnend, dass die Anlegung 
jener berühmten Heerstrasse, der Via Appia, so wie der Bau grossartiger 
Wasserleitungen schon in jene Periode fällt. Auch das Forum der 
Stadt Rom erhielt damals bereits eine bedeutsame Anlage. Eine höhere 
Entwicklung begann gegen 150 v. Chr., als Griechenland römische Provinz 
geworden war. In jener Zeit wurden die ersten prachtvollen Tempel in Rom 
errichtet, so der Tempel des Jupiter Stator, ein Peripteros, und der 
Temp el der J uno , ein Prostylos von mehr etruskischer Grundform, beide 
aus der macedonischen Kriegsbeute des Metellus aufgeführt. Besonders 
aber gehört die erste grossartige Ausbildung der B asiliken in ihrer römi- 
schen Eigenthümlichkeit jener Zeit an. Diese frühere Epoche scheint bei 
der Aufnahme griechischer Kunstformen noch vorwiegend dem dorischen 
und ionischen Styl, freilich in der specifisch römischen Umwandlung, zu- 
gethan gewesen zu sein. Einer der merkwürdigsten Reste jener Zeit ist der 
Sar-kophag des L- Cßrnelius Sßipio, mit dem Beinamen Barbatus, 
um 250 v. Chr. gearbeitet, in dem Familiengrabe dieses berühmten Ge- 
schlechts an der Via Appia gefunden und im Vaticanischen Museum auf- 
bewahrt. Er hat einen dorischen Triglyphenfries , sogar noch mit richtiger 
Anordnung der Ecktriglyphe, in den Metopen sind Rosetten ausgemeisselt, 
das Gesims hat eine Zahnschnittreihe und wird auf den Ecken durch ein 
volutenartiges Akroterion bekrönt. Das Material dieses wichtigen Denk- 
mals ist ein Tuffstein , der Sogenannte Peperin, und es verdient bemerkt 
zu werden, dass dieser und der Travertin (ein Kalkstein) an den frührömi- 
sehen Denkmälern ausschliesslich zur Anwendung kam, ehe der Marmor
        

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