Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681478
Drittes Kapitel. 
Römische Baukunst. 
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punkte der Kugel gerichteten Keilschnittes die Wölbung nach den stati- 
schen Gesetzen des einfachen Halbkreisbogens bewirken. Ihre Last wuchtet 
in gleicher Weise auf allen Theilen des runden Mauercylinders (des Tam- 
bours) , auf welchem sie ruht, und der demnach eine kräftig massenhafte 
Anlage erfordert. Hierin liegt etwas Schwerfälliges, Beschränkendes, und 
diesen Eindruck macht in der That jene ursprüngliche Kuppelform. Die 
mathematisch vollkommenste Form, die Kugel, hat etwas Unlebendiges, 
welches sie für die Architektur ungünstig erscheinen lässt. Wie wir an 
dem Grundplan des etruskischen Tempels, der sich dem Quadrate näherte, 
den wirkungsvollen Gegensatz vermissten, der den griechischen Tempel ver- 
möge seiner verschiedenen Längen- und Breitenrichtung auszeichnete, so 
fehlt auch dem kreisrunden, kuppelbedeckten Raume jenes höhere Element 
wahrhaft organischer Entwicklung, das auf der Vereinigung und Verschmel- 
zung von Gegensätzen beruht, wiees in lebenvoller Weise das Kreuz- 
gewölbe zeigt. Eine glücklichere Wirkung entfaltet die Kuppel indess da, 
wo sie sich auf polygonem Unterbau erhob, wo sie mit der Einheit ihrer 
Wölbung die Vielheit der gegliederten Umfassungsmauer bedeckte. Auch 
für die halbkreisförmige Nische, mit welcher man rechtwinklige Räume an 
der einen Schmalseite zu schliessen- liebte, wurde meistens eine Halb- 
kupp el als Wölbung gewählt. 
Aber nicht bloss für die Ueberdeckung der Räume, sondern auch für Belebung der 
die Gliederung der inneren Wandflächenierwies sich der Bogen- wandnachen" 
bau wichtig. Man theilte die Mauermasse entweder durch Hache Blend- 
bögen, oder gab ihr durch ein System überwölbter Nischen eine durch 
energischeren Wechsel von Licht und Schatten bedeutungsvolle Behandlung 
und zugleich dem Raume mannichfaltige Erweiterung. Doch war der Bogen- 
bau allein für diese Art der Decoration und Massengliederung nicht _aus-  
reichend. Er bedurfte eines anderen Factors, der, was ihm an innerer, 
künstlerischer Durchbildung abging , ersetzte. Dazu wurde der Säulen-  
b au ausersehen. 
Dies nämlich ist der Punkt, wo die Rückwirkung des Gewölbe-  
baues und des durch ihn getragenen Massencharakters der Architektur Wäfffiff" 
auf die Gestaltung des Säulenbaues am entschiedensten hervortritt. Wir Gewölbebam 
haben demnach hier zunächst die Frage zu beantworten , in welcher Weise 
die Verbindung der beiden so verschiedenartigen Elemente stattgefunden 
habe. Da ist denn als charakteristischer Grundzug festzuhalten, dass jene 
Verbindung sich nur als eine lose, willkürliche zu erkennen gibt. Aus der 
Mauermasse unmittelbar entwickelt sich der Bogen, das Gewölbe, und nur 
in äusserlich decorirender Weise gesellen sich Säulenstellungen hinzu. 
Diese lehnen sich hülfebereit an die des Schmuckes bedürftige Wand, tre- 
ten also als etwas Fremdes, Wlukürlich Herbeigeholtes hinzu. Aber sie 
kommen nicht allein: selbst in dieser Spätzeit bewahrt die griechische Säule 
ihren geselligen Charakter so trffll, dass die architektonische Ausprägung  
desselben, der Architrav mit seinem Friese , sie untrennbar begleitet- ES 
legt sich demnach der bedeutsamste Theil der griechischen Architektur als 
einfassender Rahmen um die römische Bogenspannung, und über der Wöl- 
bung zeigt meistens das Tympanon des hellenischen Tempelgiebels seine 
heitre, bildwerkgeschmückte SÜTII- 
        

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