Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681404
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Zweites Buch. 
Geschicht- 
liche Bedeu- 
tung. 
und gleicher Höhe die Reste von fünf kegelförmigen Denkpfeilern, vier auf 
den Ecken, die einen mittleren, kräftigeren Kegel umgeben. 
Fassen wir die Bedeutung der etruskischen Architektur für die ge- 
schichtliche Entwicklung der Baukunst zusammen, so finden wir in ästhe- 
tischer Beziehung einen Rückschritt gegen die griechische, ein schüchtemes, 
missverstandenes Anklingen an gewisse hellenische Formen. Aber in con- 
structiver Hinsicht bildet die E rfindung d es B ogenb au e s ein Element 
von so weitgreifender "Wichtigkeit, dass hierdurch allein die Etrusker in 
der Geschichte der Architektur einen bedeutsamen Platz einnehmen. Indess 
blieb diese neue technische Errungenschaft, wie wir gesehen haben, nur 
auf dem Niveau praktischer Nützlichkeit, ohne sich zu künstlerischer Aus- 
bildung zu erheben. Dies sollte erst von den Römern versucht, vom christ- 
lichen Mittelalter in glanzvollster XVeise durchgeführt werden. 
DRITTES 
KAPITEL. 
Die 
römische 
Baukunst 
Allgemeines. 
Charakter des Tratschon bei den Etruskern die eigentlich künstlerische Begabung 
Volkes in den Hintergrund, lehnten sie sich mit ihrer Culturentfaltung grossen- 
theils an die Griechen an, so zeigt sich dies Verhältniss bei den Römern 
noch gesteigert. Ueberhaupt scheint in ihnen das Wesen der Etrusker nur 
seine consequentere, höhere Ausprägung erhalten zu haben. Hier wie dort 
ein Sinn, der sich vorzugsweise den äusseren Zwecken des Lebens, der 
Herrschaft und des Besitzes, hingibt, der diese aber mit einer seltenen 
Grossartigkeit der Intention zu verwirklichen weiss; zugleich jedoch wie- 
derum ein Mangel an selbständigem, originalem künstlerischen Genie, der 
die Römer anfangs zu Schülern der Etrusker, später zu Nachahmern der 
Griechen macht. Wir finden, dass sie sich dieser Armuth selbst bewusst 
sind, ohne dieselbe zu beklagen. Denn ihrem herrschbegierigen Sinn er- 
scheint es als die höchste Aufgabe des Daseins, die anderen Völker zu 
unterjochen, dem Erdkreis Gesetze vorzuschreiben. Mögen dann die An- 
deren kunstübend und gebildet sein; müssen sie doch mit ihren Geistes- 
werken das Leben der stolzen Sieger zieren, die von der Kunst Nichts ver- 
langen , als dass sie die anmuthige Dienerin der Macht sei. Dies war die 
Grundanschauung, Welche die Römer von der Kunst hatten. Es war ihnen 
wohl gegeben, die äussere Formschönheit der griechischen Werke zu er- 
kennen und zu bewundern; aber es blieb ihnen versagt, die Kunst als die 
ideale Verklärung des Volksgeistes, als seine lebensvollste Erscheinungs- 
form zu betrachten. Fassten sie doch Alles nach den Grundsätzen äusserer
        

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