Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681393
Zweites Kapitel. 
Etruskische Baukunst. 
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untere Durchmesser beträgt. Diese Schlankheit, in Verbindung mit deniiünstierisciisr 
überaus weiten Abständen und der unkräftigen Bildung der Details, muss Chamkte" 
dem ganzen Bauwerk einen nüchternen, unlebendigen Ausdruck gegeben 
haben, der durch das hohe, weit vorspringende Dach noch verstärkt wurde. 
Fit S1 In der dorischen Architektur bot sich uns ein Ganzes, 
b an welchem die einzelnen Glieder im wirksamsten, 
 glücklichsten Wechslelverhältniss zu einander standen,  
  wo die Säulen mit i ren geringen Zwischenweiten den 
 Anblick eines lebendigen Rhythmus gewahrten , wo 
  der auf ihnen ruhende Bau durch klare Profilirung und 
 i-l" energische Schattenwirkung sich leicht und sicher von 
 jenen abhob. Hier aber treten" die Säulen, obendrein 
 Mwlii durch eine besondere Basis isolirt zu weit von ein- 
 ÄÄ ander, um nicht den Eindruck des mühsam zu einem 
ill ljll Zwecke Zusammengehaltenen hervorzurufen ; das Dach 
V r wuchtet schwer auf ihnen und erscheint durch die zu 
 mächtige Schattenwirkung seines Vorsprunges wie eine 
 dem Unterbau aufgezwungene fremdartige Last. Mit 
Säule von der Clwumella einem Worte: im dorischen Bau die Einheit eines orga- 
m volct nischen Lebens, im etruskischen die Zwiespältigkeit 
einer mechanischen Zusammensetzung; dort die  Sicherheit harmonisch 
verbundener Glieder, hier das Unbehülfliche ungefüger Theilel Wir ver- 
stehen daher den Ausspruch Vitruv's , der diesen Tempel iiniedrig, breit, 
gespreizt und schwerköpiigr nennt. Auf die innere Verwandtschaft dieser 
Bauform mit dem oben geschilderten Charakter des Volkes brauchen wir 
nur hinzudeuten x)    
 Unter den erhaltenen Denkmälern nehmen die dGgabmälerd eirlilen Gräben 
vorzü liehen Platz ein. Dies sind g-rossentheils ausge e nte unterir isc e, 
in defi Gestein des Gebirges ausgehöhlte Räume, Grabkammern darstellend, 
deren meist gerade Decke auf viereckigen Pfeilern ruht. Selbst da, wo eine 
"Wölbung ausgemeisselt ist, trägt diese die Andeutung hölzernen Sparren- 
werkes. Eine besondere architektonischelWichtigkeit erlangen diejenigen 
von diesen Anlagen, welche da, wo sie zu Tage treten, mit einer dem  
schräg ansteigenden Felsen aufgemeisselten Tempelfacade geschmückt sind. 
Solche Werke finden sich in den ixlekropolen von Orchia und Oxia (dem  
jetzigen Norchia und Castellaccio bel Viterbo). Ohne diesen Fagaden- 
schmuck sind dagegen die Gräber W111 BOmaTZO , _Sutri, Toscanella 
u_ S, w,  Eine andere Form der Gräber schliesst die unterirdische Anlage 
aus und besteht aus einem mehr oder minder ausgedehnten, meistens kreis- 
runden Unterbau, der von niedriger Brüstungsmauer umschlossen wird, 
wie dies in einfachster Gestalt der unter dem Namen der Cucumella be- 
kannte Grabhügel bei Volci zeigt, der über 200 Fuss im Durchmesser hat. 
In seiner Mitte erhebt sich ein Viefßßkiger Thurm, neben ihm ein kegel-  
förmiger Denkpfeiler, der vermuthlich sammt drei ähnlichen den mittleren 
Thurm umgab. Verwandter Anlage ist das bei Albano liegende Denkmal, 
das unbegründeterWeiSe als Grab der Horatier und Curiatier be- 
Zeichngt wird, Es trägt auf quadratischem Unterbau von 25 FuSS Breite 
i,- 
 Ueber den ecruskischen Tempel vgl. 
Vitruv lib. IV, cup. 7. 
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