Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681255
Erstes Kapitel. 
Griechische Baukunst. 
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ger den Göttern als vielmehr seiner eigenen, nicht selten selbst vergötterten 
Person ein Ehrenmal bezwcekte. Da musste denn die Kolossalität der An- 
lage den Mangel feineren Kunstgefühls verdecken. Aber mit letzterem war 
auch die treifliche Technik der früheren Zeiten gewichen, und wohl zumeist 
diesem Umstande ist es zuzuschreiben, dass von den Bauwerken solcher 
Art kaum die spürlichsten Reste auf uns gekommen sind, gleich als hatten 
die Götter, die für die blrbauung dieser Tempel nicht den Beweggrund, 
Sondern nur den Vorwand abgeben mussten, durch gänzliche Zerstörung 
die prunkende Leichtfertigkeit bestrafen wollen. 
Dagegen rief der gesteigerte Luxus, die Prachtliebe der Machthaber PfiVäll- 
eine Menge anderer Gebäude hervor, wie sie die frühere, einfachere Kunst 3"bü"df' 
nicht gekannt hatte. Dahin gehören jene Prachtpaliiste und jene kost- 
bar geschmückten Residenzen, welche durch die Nachfolger Alexanders in's 
Leben gerufen wurden; dahin jene Riesenschiffe mit grossen Sälen, 
in mehreren Stockwerken, die mit einer märchenhaften Ausstattung ver- 
schwenderisch überladen waren , wie die Ptolemäer sie liebten; dahin .der 
goldene kolossale Wag e n , der die Leiche Alexanders von Babylon nach 
der Oasis des Jupiter Ammon zu führen bestimmt war; dahin manches 
Andere , Aehnliehe . dessen die alten Schriftsteller mit staunender Bewun- 
derung gedenken. Auch der bürgerliche Privatbau gestattete sich eine rei- 
chere Anlage und Ausschmückung, die dem üppigeren, luxuriöscren Leben 
entsprach. 
Von den erhaltenen Denkmälern werden wir nur wenige namhaft Denkmäler. 
machen, da es genügen wird, für die verschiedenen Arten von Bauwerken 
ein bezeichnendes Beispiel aufzuführen. Unter den Tempeln dieser Zeit 
verdient zunächst der Tempel der Athena Alea zu T e ge a erwähnt zu Tempel der 
werden, obwohl keine Reste von ihm übrig sind. Allein er ist wichtig, weil  
er, vom Bildhauer S k o pas im Anfange des vierten Jahrhunderts erbaut, 
an der Grenze dieser Epoche steht, die er gewissermassen einleitet. Denn 
wir erfahren, dass er von einer ionisehen Säulenhalle umgeben war, im 
Innern aber eine dorische Ordnung und darüber eine korinthische hatte. 
Diese bewusste, consequent durchgeführte Verbindung der drei Ordnungen, 
namentlich die umfassendere Anwendung der korinthischen, ist als eine 
epochemachende Thatsache zu betrachten. Von der Flauheit, mit welcher . 
die dorischen Formen in dieser Zeit aufgefasst wurden, geben mehrere er- 
haltene ResteiZeugniss. Dahin gehört der Zeustempel zu Nemea im Zeustempel 
Peloponnes, ein Peripteros von 6 zu 13 Säulen; dahin der vor den Propy- m Namen" 
laeen des Demetertempels zu Eleusis errichtete Tempel der Artemis Artemis-T. 
Propylaea, ein Bau vön geringen Verhältnissen, 21 Fuss breit und mEle"sls' 
in Fuss langä mit zwei Säulen in antls, von dem wir einen der schönen in 
Thon gebrannten Stirnziegel auf S- 741 unter, Fig. 4G gegebenhaben g", dahin 
auch die entschieden jüngeren äusseren Propylaeen zu Eleusis, die Prupylacen zu 
in der Grundanlage den Mittelbau der Propylaeen von Athen nachahmen, Eleuim 
Vermuthlich das um 150 v. Chr. unter Appius Pulcher erbaute Werk, aus- 
gezeichnet durch seine vortreffliche Felderdecke. Die Epistyle der dorischen 
Prostasis werden durch zwei verbundene Balken gebildet; die Balken der. 
Decke sind auf 14 und an den Seiten auf 19 Fussfreischwebend. AIISSBY 
diesem äusseren Prachtbau gab es noch ein inneres Propyl-a 6.0117 duTCh  
zwei kräftige Pfeiler, vor welche je eine Säule tritt, dreifach getheilt. Der 
        

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