Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681197
Erstes 
Kapitel. 
Griechische Baukunst. 
111 
scheinlichkeit nach liess Kimon ihn zur Feier seines am Eurymedon über 
die Perser im J ..469 erfochtenen Sieges aufführen, hier auf unbeschütztcm 
Fclsabhang in fast zu kühnem Uebermuthe keck vortretend, zum Zeichen, 
dass die Göttin des Sieges, der Flügel entkleidet, für immerdar bei den 
Athenern ihren Sitz aufgeschlagen habe. Es ist ein viersänliger Amphi- 
prostylos von winzigen Verhältnissen, etwa 18 Fuss breit und 27 Fuss lang, 
im Umfang einem mässigen Saale gleichkommend. Die Ausbildung der 
ionischen Formen ist hier noch eine schlichte, doch bereits vollkommen 
klare; das Kapital namentlich zeigt die Elemente des Ionischen in feiner, 
wenngleich einfacher Behandlung. In der Ornamentik tritt noch überwie- 
gend die Bemalung an Stelle der plastischen Behandlung. Die Säulen, etwa 
7173 Durchmesser hoch , erheben sich noch nicht zur Schlankheit der spä- 
teren Werke; die Basis zeigt schon die attische Form, doch so, dass der 
untere Torus als schmales Band, der obere dagegen in beträchtlicher Stärke 
und mit parallelen Horizontalfurchen versehen gestaltet ist. Die lebendigen, 
charakteristischen Friesreliefs , welche Kämpfe der Griechen mit den Bar- 
baren darstellen, sind grossentheils erhalten.  Die grösste Aehnlichkeit mit T. 
diesem hatte ein anderes jetzt verschwundenes, zu Stuart's Zeiten noch 
vorhandenes kleines Heiligthum , der Tempel am Ilissost"). Ebenfalls 
als viersäuliger Amphiprostylos , lfltfs Fuss breit und 41 1], Fuss lang auf- 
geführt, verrieth er dieselbe einfache, nur etwas entschiednere Formen-  
behandlung bei etwas schlankeren Verhältnissen, die in der Säulenhöhe 
sich bis auf 82A, Durchmesser steigerten; das Epistyl war dagegen nach 
dorischer Art ungegliedert. Ohne Zweifel gehörte auch er noch der Zeit 
des Kimon an. 
Die höchste Anmuth dieses Styles entfaltet sich indess erst am Tempel ET 
der Pallas Polias, dem sogenannten Erechtheion, dem eigentlichen 
Stammheiligthume der Schutzgottheiten Attikas  Hier bestand aus ur- 
alter Zeit eine Cultstätte, welche die höchsten Heiligthümer der Stadt um- 
sehloss. Da war das alterthümliche Cultusbild der Athene, aus Holz 
geschnitzt, und, wie die Sage erzählte, vom Himmel herabgefallen. Da 
war der heilige Oelbaum, den die Göttin im Wettkampfe mit Poseidon 
erschaffen; da war der Salzquell, den dieser mit seinem Dreizack aus dem 
Felsen hervorgerufen hatte. Der alte König Erechtheus, die Nymphe Pan- 
drosos hatten hier ihre besonderen Heiligthümer. Auch in diesen Tempel 
hatten die Perser die Brandfackel geschleudert, allein er scheint nicht ganz- 
lich zerstört worden zu sein , da man schon am folgenden Tage die Sühn- 
opfer darin verrichten konnte. Gewiss ist, dass erst nach der Zeit des 
Perikles der Neubau in Angriff genommen wurde, und dass derselbe , laut 
zwei aufgefundenen, auf den Bau bezüglichen Insehriften im J  409 noch 
nicht vollendet war. Die Schwierigkeit, auf einem ungleichen, ansteigenden 
'l'errain so verschiedene Raume für die einzelnen Heiligthümer in einem 
Bauwerke zu väeinen, ist hier in so bewnndernswürdiger Weise gelöst, 
dass der kleine, nur 37 FuSS breite und 73 Fuss lange Tempel nicht allein 
 Slum-i audfcvatt. Antiquities of Atpens. pl. VH". 
M) Ausser Smart und Rcvett vigl. H- U; Imuoozl. The Erechtlueion at Athens. F01. London 1827. 
 A. F. von Quast. Das Erechthßwll 1.11 Alhßn etc. S. u. Fnl. Berlin 1840.  F. Thiersvh- Schlimm 
über das Erechtlucioxl in_den Abhandlungen der König]. hayr. Akademie der Wissensch-  Tüfüz- 
BIÖmOiYB explicatif et justißcntif (18 111 rßstuuvntion de PErcchtheion dßthönes in der RlI-vue archäo- 
lügique. 1m. v111.
        

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