Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681188
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Zweites Buch. 
sungsmauern der Burg und prägten somit die festungsartige Bedeutung. des 
Thores aus. Seinen festlichen Charakter dagegen als "eines Prachtthores, 
(las zu den herrlichen Denkmälern der Akropolis hinführen, sie würdig 
vorbereiten sollte, vertrat der hohe Mittelbau. Mit einer Halle von sechs 
mächtigen dorischen Säulen und einem breiten Giebeldache öffnete er sich 
einem Tempel gleich nach aussen und nach innen. Doch der weite Abstand 
der beiden mittleren, welcher drei Metopen umfasst, zeigt sogleich, dass 
es sich hier nicht um einen Tempel, sondern um eine Eingangshalle han- 
delt, _In der Auffassung der Formen herrscht derselbe graziöse Sinn wie 
am Parthenon, nur dass gewisse feinere Glieder, die den Tempel schmücken, 
dem Thore in charakteristischer Bezeichnung desselben versagt bleiben. 
Den Säulcnabstünden entsprechen die fünf in einer Querwand liegenden 
grossen Thore, deren mittleres, für die Wagen der Panathenaeenzüge an- 
gelegt, die übrigen an Höhe und Breite übertrilft. Die gegen 50 Fuss tiefe 
Eingangshalle ist durch eine doppelte Stellung von drei ionischen Säulen 
 getheilt, welche den Zugang zum mittleren Thore weiter begrenzen. Diese 
sinnige Verbindung der beiden Style, des dorischen für die in männlicher 
Abwehr nach aussen gerichteten Prostyle, des ionisehen für die Theilung 
des inneren Raumes, ist einer der eigenthümlichen Vorzüge dieses herr- 
lichen Baues. Die höchste Bewunderung des Alterthums war die glänzende 
 Felderdecke der Halle mit ihrer reichen plastischen und malerischen Aus- 
 sehmückung und der kühnen, durch das treffliehe Material ermöglichten 
Spannung der 17 und 20 Fuss langen Balken. Den Thürsturz des Haupt- 
thores bildet ein Balken von 2272 Fuss Länge.  
Noch eine Bemerkung gehört hierhin, welche beweist, wie fein das 
Gefühl war, mit welchem die griechischen Baumeister selbst solche Hülfs- 
mittel, deren Anwendung auf den Wirkungen optischer Täuschung beruht, 
herbeizogen, um ihren Tempeln jene hohe Vollendung, jene sichere Leich- 
tigkeit und Anmuth des Daseins zu verleihen. Die jüngsten genauen Auf- 
nahmen der atheniensischen Bauten durch Penrose ergeben die merkwürdige 
Thatsache, dass der Unterbau des Parthenons, der Propylaeen und des 
Theseions nicht eine wagerechte Fläche darbietet , sondern von den Enden 
nach der Mitte hin in einer leisen Anschwellung sich erhebt. Dies geschah 
offenbar in der Absicht, dass der_Boden da, wo die mächtigste Last auf 
ihm wuchtet, nicht eingedrückt erscheine. Aber auch die Säulen stehen 
keineswegs scheitrecht; vielmehr sind sie mit ihrem oberen Ende gegen die 
Cellenwand fast um anderthalb Zoll einwärts geneigt, um dem mächtigen 
Drucke des Gebälkes sich entgegen zu stemmen. Nicht allein die feine 
Empfindung der Griechen, sondern auch die bis in's Kleinste dringende 
Sorgfalt der Ausführung tritt durch diese Entdeckung in's hellste Licht. 
mniwhes Ausser diesen vorwiegend in dorischem Styl ausgeführten Prachtwer- 
ken bietet aber die Akropolis zugleich die edelsten Beispiele attisch-ionischer 
Ten1pcldei' Architektur. Zunächst ist der kleine Tempel derNike Apteros (der 
Nikp Amems" ungeflügelten Siegesgöttin) zu erwähnen f), der auf einem Mauervorsprunge 
vor dem südlichen Seitenflügel der Propylaeen liegt (vgl. den Grundriss in 
Fig. 74, die Gebälkanordnung der Prostasis in Fig. 61 u. 62). Aller Wahr- 
 L. Rosa, E. Srhaubcrt und Ch. Hausen. 
Nike Apteros. Fol. Berlin 1839. 
Die Akropolis von Athen. 
1. Abth. 
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