Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681131
Erstes Kapitel. 
Griechische Baukunst. 
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eentrirten Kraft einer monarchischen Herrschaft verschmolzen war. Perikles 
war Alleinherrscher Athens, weil er der höchste Ausdruck, die Spitze hel- 
lenischer Bildung war. Ihm stand bei seinen künstlerischen Unternehmun- 
gen Phidias zur Seite , dessen Name das Vollendetste bezeichnet, was der 
menschliche Geist in bildnerischem Schaffen hervorgebracht hat. Zwar 
brach der durch Spartas Nebcnbuhlerschaft entfachte peloponnesisehe Krieg 
(431-404 v. Chr.) jener höchsten Entfaltung nur zu bald die Krone ab; 
aber in den künstlerischen WVerken glüht das Feuer ener edelsten Form- 
vollendung noch lange nach, verherrlicht noch immer die alten Götter, 
wenngleich sie dem Lande ihren kräftigen Schutz entzogen zu haben schei- 
nen. Erst mit dem Sinken der griechischen Unabhängigkeit tritt auch in 
den YVerken der Architektur ein Sinken entschieden auf. 
Auch jetzt bleibt der doris ehe Styl noch vorwiegend in Anwendung. Charakter 
Aber seine Formen sind zu edelster Anmuth gemildert, und hier erst zeigt lhjjgßßi?" 
er sich in jener glücklichen Verschmelzung von dorischer Kraft und ioni- 
scher Grazie , welche den Bauwerken dieser Zeit den Stempel vollendeter 
Schönheit aufprägt. Die Verhältnisse werden schlanker, leichter, ohne 
darum an Würde zu verlieren. Der ängstlich befangene, schwerfällige Aus- 
druck mühsamen Stützens weicht einem elastischen, kühnen Aufstreben. 
In der Beziehung der tragenden Glieder zu den getragenen herrscht eine 
vollkommene Harmonie, und dieser Grundton klingt durch alle einzelnen 
Detailformen mit zauberhafter Schönheit hindurch. Aber auch der ioni- 
sehe Styl erfährt jetzt erst auf dem Boden Attikas einen Adel, eine 
Würde der Durchbildung, welche ihm unter den zu weichlichen Einflüssen 
seines Mutterlandes versagt war. Ihm strömte aus den Einwirkungen dori- 
scher Elemente jene männlichere Kraft zu, welche seinen lieblicheren For- 
men den Charakter geisterfüllten Lebens verlieh. 
Wir haben mit den Monumenten von A th e n zu beginnen, und indem Dvljääläler w 
wir hier vor Allem den Parthenon, den der jungfräulichen Schutzgöttin m" 
Pallas Athene geweihten Prachttempel, erwähnen, wissen wir, dass wir von 
einer der höchsten Gestaltungen menschlichen Schöpfergcistes reden. Nach 
den Verheerungen durch die Perser, welche auch die Heiligthümer der 
Akropolis, der steilgelegenen Burg von Athen, betroffen hatten, war das 
Augenmerk der Athener zuerst darauf gerichtet. die nothwendigsten Nütz- 
lichkeitsbauten auszuführen, ihre Stadt aus dem Schutte neu erstehen zu 
lassen, und sie durch die berühmten langen Mauern, welche bis an den 
Hafen führten, zu befestigen. Erst Perikles konnte den Gedanken, den Parthcirou. 
Festtempel der Schutzgöttin glänzender wieder zu errichten, zur That ver- 
wandeln. Iktinos und Kallzlkrates waren die Baumeister, welche nach 
etwa sechzehnjähriger Arbeit 1m J. 438 den Wunderbau vollendeten, dem 
Plridias" Meisterhand jenes berühmte aus Gold und Elfenbein zusammen- 
gesetzte Kolossalbild der Athene als kostbaren Inhalt schuf. Eine Säulen- 
halle von S zu 17 mächtigen dorischen Säulen, deren unterer Durchmesser  
6 Fuss 2 Zoll, deren Höhe 34 Fuss misst, umgibt den mächtigen Bau, 
der ausserdem an beiden Giebelseiten eine Vorhalle von sechs minder ge- 
waltigen Säulen hat. Da die einzelnen Säulen kaum 11A Durchmesser V011 
 J. Stuart and N. Revett. _The allfffluities of Athens. 
gation of tho priuciples of Atheman arehltecture. London.  
5 Voll. London 1762.  Penrose. Investi- 
 Beulä. LUXcropole düxthönes. Paris.
        

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