Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1681010
Erstes Kapitel. 
Griechische Baukunst. 
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Gmpündender, dass im Reiz des Linienspiels jener Mangel vergessen wurde. 
Besonders aber ist jener bereits besprochene constructive Fortschritt her- 
vorzuheben, der an die Stelle eines mühsam zu Stande gebrachten, den 
Grundplan starr beherrschenden Triglyphenfrieses den undurchbrochenen 
Fries und mit ihm die Befreiung von einer lästigen Fessel setzte. 
Die Eigenthümlichkeiten der korinthischen Bauweise sind mit Korinrhis-"hc 
Wenig Worten zu bezeichnen. YVährend jene beiden Style gleich bedeut-  
Sam, gleich originell neben einander bestanden, erblühte der korinthische  
als Abart und Mischung aus beiden erst in späterer Zeit, und zwar in der. 
Prachtliebenden, reichen Handelsstadt, von der er den Namen trägt. Er 
ging aus einer mehr eklektischen Richtung hervor und gestaltete sich, da 
der Kreis der tektonischen Schöpfungen bei den Griechen abgeschlossen 
War, nicht mehr zu einem neuen baulichen Systeme, sondern brachte es 
nur zu neuen, reicheren Combinationen des bereits Vorhandenen. So be- 
richtet denn auch Vitruv "schon k) , dass mit den korinthischen Säulen ent-  
Weder ein dorischer oder ein ionischer Oberbau, ener mit Triglyphen, dieser 
mit dem Zophorus und Zahnschnitten, verbunden werde, weil der korin- 
tbische Styl keine eigene Ordnung des Gebälks und der Bekrönung habe. 
Charakteristisch für das Wesen dieser spätgebornen Gattung ist denn auch, 
dass man_ihre Erfindung auf eine bestimmte Persönlichkeit, den Bildner 
Kallimachos, zurückzuführen pflegte. Jedenfalls ist der korinthische  
Styl erst erfunden, als die dorische und ionische Bauweise auf der Höhe 
ihrer Entwicklung angelangt waren, und die Beweglichkeit des hellenischen 
Kunstgeistes bereits von der idealen Richtung jener beiden Style zu einer 
realistischeren Ausdrucksweise hinstrebte. An Werken rein griechischer 
Kunst freilich iinden wir ihn selten angewandt. Eins der edelsten Beispiele 
ist das Monumentides Lysikrates zu Athen, um 334 v. Chr. errichtet. Ein 
halbes Jahrhundert früher trat indess der korinthische Styl schon den beiden  
älteren Bauweisen gleichberechtigt zur Seite, als um 380 v. Chr. Sk opas 
beim Tempel der Athena Alea zu Tegea die oberen Portiken des Inneren 
in korinthischer Ordnung errichtete, während an den unteren Säulen der 
dorische Styl und an dem äusseren Peristyl der ionische zur Anwendung 
kam. Jedenfalls musste eine Zeit der allmählichen Ausbildung dieser neuen 
Form vorhergegangen sein, ehe sie in so hervorragender NVeise zur An- 
Wendung kommen konnte, und man Wird daher nicht fehlgreifen, wenn man 
die Epoche der auf's höchste gesteigerten, glanzvollen Bethätigung des 
nationalen Lebens, die nach Beendigung der Perserkriege etwa seit 450 
v. Chr, eintrat, zugleich als den Zeitraum der Erfindung und Ausbildung 
des korinthischen Styles betrachtet.  
 Die Gestalt des Säulenschaftes und der Basis ist im Wesentlichen dem Säule. 
_1onischen Styl entlehnt. Die Basis mit ihren charakteristischen Gliedern, 
zu denen aber selbst bei der attischen Form noch der Plinthus hinzukam, 
Wird in der ionischen wie in der attisch-ionischen Gestalt aufgenommen 
und gern in allen Theilen mit sculpirten Bändern, Kränzen und verwandtcm  
Ornament bedeckt. Der Schaft mit seinen vierundzwanzig tief und rund 
ausgehöhlten Canelluren gehört ebenfalls der ionischen Ordnung, nur ist 
Vih-uv, lib.
        

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