Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680937
Erstes Kapitel. 
Griechische 
Baukun st. 
85 
l 
Grund. Das Balkenwerk der Halle zeigte rothe Bemalung; die Vertiefungen 
der Kalymmatiendecke hatten azurblauen Grund mit roth und goldnen Ster- 
nen. Alle Glieder von geschwungenem Proül (die Kymatien) waren mit 
rundlichen oder lanzetförmigen, dem Profil des Gliedes entsprechenden 
Blättern, die rechtwinklig gebildeten Platten dagegen mit Mä a n dertäni en 
  bemalt, so dass in der Form der Decoration 
hg" 33' Grundform und Wesenheit des entsprechen- 
den Gliedes schon ausgedrückt war. Ausser- 
dem scheint an Akroterien und anderen  
Mäander. Theilen eine schimmernde Vergoldung statt- 
 gefunden zu haben i). 
 Dies im Wesentlichen die äussere Erscheinung des dorischcn Tempels. Charakter des 
Sie trägt durchaus den Charakter des Ernstes, der Würde, der Feierlich-  
keit, welcher Spielendes, Unbedeutendes vermeidet, nur Bezeichnendes gibt 
und in der Form jedes Gliedes das Wesen und die bauliche Bestimmung 
desselben scharf ausprägt. Dagegen zeigt sich aber auch in der strengen  
Abhängigkeit der Theile von einander eine Gebundenheit dieses Styles, die 
einer freieren, mannichfaltigeren Anwendung desselben hemmend im Wege 
steht. Die grösste Beschränkung legt namentlich das Triglyphon auf, weil 
die ganze Deckenbildung von seiner Eintheilung und durch diese wieder 
von der Säulenstellung abhängt. Schon die Alten klagten desshalh über 
das Unpraktisehe dieses Styles, und namentlich erzählt uns Vitruv M), dass 
Hermogenes, ein Architekt aus der Zeit Alexander des Grossien, aus 
dem Material, das er für einen in dorischem Styl auszuführenden Tempel 
schon bereit gehabt, einen ionischen Tempel des Bakchos erbaut habe. 
Starre Unabänderlichkeit ist, wie im Staat und der Sitte, auch im Bau der 
Dorer ausgesprochen. Dies ist ihre Grenze, aber zugleich ihre Grösse. S0  
steht der Tempel da in edelster, männlicher Würde, eine herbe Keuschheit 
athmend, die , jeglicher Willkür abgesagt, als ein Gebilde tiefster Natur- 
nothwendigkeit erscheint. 
Der ionische Styl. 
Von Grund auf unterscheidet sich vom dorischen der ionische Styl; Sänlenbixsis. 
Von dem gemeinsamen Stylobat steigen hier die Säulen, durch einen beson- 
dcrn Fuss (die Basis oder Spira) vorbereitet, auf. Wurzelte die dol-ische 
Säule mit ihrem mächtigen, straffen Gliederbau in der gemeinsamen Platte 
des Unterbaues, ihr selbständiges Wesen dem strengen Gesetz des Ganzen 
opfernd, so bedarf ihre zarter gebaute ionische Schwester einer Vorrichtung, 
die, indem sie den Uebergang sanfter, allmählicher anbahnt, die Säule doch 
zugleich als ein selbständigeres Einzelwcsen charakterisirt. Desshalb erhält luuisrhe 
jede Säule für sich ihren besonderen Plinthus, die viereckige Platte, die Basis 
den unterenTheil der Basis ausmacht, und in welcher das einfach Recht- 
 Ucber die Bmnalung (Im: Eüßßhischcn Architektur vergl. Fr. Kugleriv Schrift über die Antike 
Polycln-omic (Neußr Abdruck m_1t Zusätzen in: Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte von 
Fr. Kugler. I. Bd. Stuttgart 18535). Dagvgexx als Vcrfuchter der Ansicht von der durch gän gi g e n 
Benmlung der griechischen Arclutßktur: Jlittmf: Rcstitution du tumplc (Ylämpedocle ä Sclinonte, ou 
Paruhituuturu polychrome chbz les Grecs. 2 Vols. 4. u. F01. Paris 1851.  
 Vitruv lib. IV, cnp. 3, 5-1-
        

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