Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674245
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Hauptstück. 
Fünftes 
Zwecken dienstbar machte, eine Richtung, die sich auch auf die 
Kleinkünste erstreckte. Zugleich hielt das Technische, neben dem 
Zwecklich-Formalen, mehr als bei den Alten der Fall war, die 
Künste in Abhängigkeit von dem Stoffe. 
Sehen wir nun von dem gegenständlichen Bezuge der zu wäh- 
lenden ornamentalen Mittel ab, so ist zunächst ihr formales Wir- 
ken in Beziehung auf Grössenverhaltnisse zu berücksichtigen. 
Unzweifelhaft erheischt Kleines eine andere ornamentale Aus- 
stattungals Grösseres; es darf das Kleine niemals in der Kunst 
eine Reduktion des Grossen sein, noch das Grosse eine Ampliü- 
kation des Kleinen. Ein Motiv, das in grosser Ausführung reich 
entwickelt sein darf, ohne verworren zu erscheinen, wird in der- 
selben Weise, nur reduzirt, auf kleinere Gegenstände nicht passen, 
vielmehr muss gleichzeitig mit der Reduktion eine Vereinfachung 
des Motivs eintreten, zur Vermeidung des Kleinlichen und Kon- 
fusen. Die inbegriffliche Darstellung ist ein Geheimniss 
dessen Besitz den Meister macht und auch hierin waren die Alten 
gross für alle Zeiten. 
Vergleiche zur Bestärkung des Angeführten die einfachen 
Mäander, Eierstabe, Blattkränze und dergL, wie sie auf gemalten 
Vasen vorkommen, mit den gleichartigen Verzierungen an skulp- 
tirten kolossalen Prachtvasen oder gar an Monumenten. Ferner 
die inbegrifflichen Auffassungen von zum Theil noch bestehenden 
Tempeln, Triumphbögen u. s. W. auf alten Münzen mit den m0- 
dernen Medaillen ohne Stil, die den dargestellten Gegenstand mit 
peinlichster Sorgfalt perspektivisch getreu und ohne die geringsten 
Detailauslassungen wiedergeben. Eben so inbegrifflich fassen die 
höhere Plastik und die Malerei (der besten Zeiten) die lebende 
Natur auf. Oft geben sie aus räumlichen Gründen, um im Bez 
schränkten gross zu bleiben, partem pro toto: das Prinzip des 
Michel Angelo, Raphael, Correggio etc. für ihre grossartigen Kom- 
positionen auf beschränkten Deckenfeldern.  
In Fällen soll Kleines kleiner und Grosses grösser erscheinen 
als es ist, oder_ umgekehrt. ist Grosses zu verkleinern, Kleines zu 
vergrössern (dem Scheine nach). An alle diese Fälle ist zu den- 
ken, 0b sie beiueinem Vorwurfe Anwendung finden, woraus sich 
dann von selbst ein gewisser innerer Massstab für die Wahl und 
die Verhältnisse der_ ornamentalen Mittelergibt, sowie ein Anhalt
        

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