Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674223
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Fünftes Hauptstück. 
Es sei hier noch erinnert wie bei diesen tendenziösen Aus- 
schmückungen der Gefassbäuche durch Malerei und Bildnerei 
das alte Bekleidungsprinzip wieder hervortritt.  Die Bilder 
sind als wahre Bildtafeln gedacht und förmlich an das Gefäss mit 
Säumen und Heftbändern an geheftet. Der struktive Sinn dieser 
umsäumenden Heftbänder kann hier nicht verkannt werden. 
Diesen behalten sie aber in allen ihren Anwendungen, auf wel- 
chen Gebieten der Kunst sie vorkommen mögen. Sie sind schlecht 
angebracht, wo sie diesen Sinn nicht haben. Ihre Symbolik 
knüpft an die einfachsten Processe des Reihens, Schnürens, 
Spinnens, Drehens, Flechtens, Wehens, Nähens und 
Säumens, über deren ästhetisch-formale Bedeutung der  5 
nachzusehen ist. 
Die reichste Art der Ausschmückung zeigt sich an einigen 
Prachtvasen der alexandrinischen und römischen Zeit, deren 
Körper mit rein struktiv-formalen und gleichzeitig mit ten- 
denziösen Ausschmückungen mehr oder weniger bedeckt sind. 
Man sieht z. B. Prachtkrateren 1 mit wellenförmig gericfter Ober- 
fläche, worauf sich bakchische und andere Scenen plastisch ab- 
heben. Andere sind mit einem ernporsteigenden Rankenwerk 
ganz überkleidet, aus dem sich Genien, Niken oder andere Fi- 
guren entfalten. 
Derartiger Reichthum sowie das Zusammenwirken verschiedener 
Farben und vermischtes Anwenden plastischer und malerischer 
Motive sind Mittel der Ausstattung die mit verdoppelter Vorsicht 
und gesteigerter Aufmerksamkeit auf die Vorschriften des Stils 
gehandhabt werden sollten, weil das Erkennen und Festhalten 
der Stilgesetze mit wachsender Fülle des Verfugbaren immer 
schwieriger wird. 
Ausser den allgemeineren Bedingungen des Stils muss das Orna- 
ment noch zweitens der besonderen Bestimmung und Form jedes 
Gefässes im Einzelnen entsprechen. Diess betrifft nicht sowohl 
nots vergleichbar, oder selbst den gemalten Säulenmänteln Aegyptens.  
Trajanssäule.  Säulen mit gemalten Bildern aus christlichen Zeiten. Vergl. 
hiezu die Illustrationen auf Seite 4, 5, 12, 14, 18, 31, 35, 62, 66, 73. 
1 Vergl. die in Piranesfs und Moses Werken enthaltenen reichen Gefässe 
dieser Art.
        

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